Gastronomen: „Der Hammer kommt noch“

Ein Kellner trägt ein Tablett zu Gästen, die auf der Terasse eines Restaurants sitzen
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Nach dem Lockdown gibt es zwar wieder mehr Anfragen an die Gastrobetriebe im Kreis, die enormen Einnahmeverluste könnten damit aber nicht kompensiert werden. 

Schon jetzt befindet sich die Gastronomie ist existenziellen Nöten durch die Corona-Krise. Doch die enormen Einnahmeverluste der Branche lassen sich nicht einfach kompensieren. 

Bad Sooden-Allendorf. Wie andernorts befindet sich auch im Werra-Meißner-Kreis das Gastgewerbe in existenziellen Nöten. Grund ist die noch längst nicht überwundene Coronakrise, die von einem auf den anderen Tag wegen der Schließung der Häuser das Gästeaufkommen auf null habe herabstürzen lassen.

Das verdeutlichte vergangene Woche der Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Christian Pelikan, auf einer Versammlung seiner Organisation im Kultur- und Kongresszentrum in Bad Sooden-Allendorf.

Kreisweit haben bisher nur zwei Betriebe aufgegeben

Zwar hätten kreisweit bislang „nur“ zwei Betriebe aufgeben müssen, die enormen Einnahmeverluste des Gewerbes seien aber nicht zu kompensieren, und „der große Hammer“ komme erst noch, blickte er pessimistisch in die Zukunft. Im Herbst und Winter werde die Luft sehr dünn. Die Rücklagen seien aufgebraucht, und von den Banken werde man kein Geld mehr bekommen, befürchtet Pelikan wie auch der Hauptgeschäftsführer des Dehoga Hessen, Julius Wagner, eine Insolvenzwelle.

An Versammlung nahmen nur sieben Mitglieder von 75 teil

An der Versammlung, für welche die Stadt die Räume kostenfrei zur Verfügung gestellt hatte, nahmen mit sieben Mitgliedern nicht einmal zehn Prozent der im Verband organisierten 75 Betriebe teil, außerdem Claudia Krabbes, beim Geo-Naturpark Frau-Holle-Land zuständig für das Tourismus-Marketing. Insgesamt sind in der Branche auf Kreisebene mehr als 200 Betriebe aktiv.

Kritik übte Pelikan an der bundesweit unterschiedlichen Handhabung der Lockerungen nach dem Lockdown. So hätten im benachbarten Niedersachsen Hotellerie und Gastronomie früher öffnen können als in Hessen: „Das geht gar nicht.“

Untragbare Zustände für Kurparkhotel und Schloss Rothestein

Untragbar in der Badestadt sei, dass das Kurparkhotel seit einem Jahr leer stehe und auch das Schloss Rothestein nicht mehr für gastronomische Zwecke genutzt werden könne, weil der Insolvenzverwalter dies nicht zulasse, der zur Veräußerung des Objekts „ewig auf ein Zwei-Millionen-Angebot wartet“. Wünschenswert sei, dass die Stadt dem Mann mehr Druck mache.

Ausdrücklich begrüßte Pelikan die Wiedereröffnung der Werratal-Therme, die bei begrenzter Gästezahl zwar zusätzliche Verluste einfahre, als touristisches Highlight aber ein Segen sei. Das treffe auch für den Werratalsee bei Eschwege zu, der aber mit Regatten oder Wasserski besser vermarktet werden könnte.

Mit Erstaunen registrierte Pelikan, dass landesweit die Betriebe im Kreis im geringsten Umfang staatliche Hilfen in Anspruch genommen hätten.

Schwarz fordert Regress von Gästen, die kurzfristig Veranstaltungen absagen 

Gerold Schwarz, der das Schlosshotel Wolfsbrunnen bei Meinhard-Schwebda betreibt, regte ein einheitliches Vorgehen für den Fall an, dass Gäste bei Reservierungen von Hotels oder Restaurants nicht erschienen oder in einer kurzen, nicht akzeptablen Frist absagten. Denen müsse dann eine Rechnung ausgestellt werden.

Kreisvorsitzender Pelikan forderte die Betriebe auf, zusammenzustehen, „sonst erreichen wir nichts“. Die politische Wahrnehmung müsse eine andere werden.

Eingangs hatte Claudia Krabbes anhand einer Erlebnis-Karte auf die zahlreichen attraktiven Ausflugsziele in der Region hingewiesen, zu denen viele Wander- und Radfahrwege führten. An die Teilnehmer verteilte sie umfangreiches Prospektmaterial.Von Chris Cortis

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