Die Geburtshilfe ist für das Klinikum im Kreis ein Defizit-Geschäft

Besuchen das Klinikum Werra-Meißner in Eschwege: die SPD-Politiker Lothar Quanz, Karina Fissmann, Dieter Franz und Knut John. Foto: Sagawe

Eschwege. Medizinische Versorgung ist teuer und zunehmend schwieriger zu gewährleisten – insbesondere im ländlichen Raum. Das erfuhren die nordhessischen SPD-Landtagsabgeordneten am Freitag bei ihrem Besuch im Krankenhaus in Eschwege.

Klinikum-Geschäftsführerin Dr. Claudia Fremder und Verwaltungsleiter Michael Rimbach berichteten im Gespräch mit Lothar Quanz (Eschwege) und Dieter Franz (Wehretal) sowie den übrigen Landespolitikern von Problemen bei der Finanzierung von Investitionen und sprachen auch die oft ungenügende Honorierung durch die Krankenkassen an.

In den neuen Operationstrakt werden nach Angaben Dr. Fremders gerade dreizehn Millionen Euro investiert – acht Millionen Euro würden an Zuschüssen vom Land geleistet, fünf Millionen Euro müsse das Klinikum aus den Fallpauschalen bezahlen. „Die sind dafür aber nicht gedacht“, so die Klinikumchefin. Sie beklagte gleiche Finanzierungs- und Leistungsbedingungen unter gänzlich unterschiedlichen Voraussetzungen im Vergleich zu den Ballungsräumen.

Verwaltungsleiter Rimbach nannte ein Beispiel: Bei der Berechnung der Fallpauschale für Geburten werden 700 Entbindungen pro Jahr für die Berechnung zugrunde gelegt. Tatsächlich werden in dem Eschweger Krankenhaus aber weniger als 400 Kinder pro Jahr geboren. Ergo: Die unter Einbeziehung der aufwandsunabhängigen Fixkosten auf Basis von 700 „Fällen“ berechnete Pauschale fällt zu niedrig aus, um bei nur 400 „Fällen“ kostendeckend arbeiten zu können. „Die Geburtshilfe wird aus anderen Abteilungen querfinanziert“, sagte Dr. Fremder, die schlussfolgert: „Ein privater Träger hätte die Abteilung schon geschlossen.“

Ärztemangel führt am Klinikum Werra-Meißner auch zu Problemen bei der Besetzung der Chefarztpositionen. Nach Angaben Dr. Fremders ist eine Stellenbesetzung oft mit langer Suche verbunden, „weil sich kaum jemand interessiert und wir kaum Auswahl haben“. Ein Wettbieten unter Krankenhäusern vergleichbarer Größe und Bedeutung finde zwar nicht statt, aber es gebe einen Wettbewerb. Chefärzte könnten höhere Gehälter verlangen.

Für Lothar Quanz steht fest, dass die medizinische Versorgung im ländlichen Raum garantiert sein muss. Neue Wege wie die Bildung von Gemeinschaftspraxen und medizinischen Versorgungszentren beschreibt er in Zusammenhang damit als zukünftigen Weg.

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