Corona-Pandemie lässt keine größere Feier zu

Eschwege: Neustädter Kirche feiert 500 Jahre Einwölbung

In de Neustädte Kirche steht Pfarrer Sebastian Werner auf der Kanzel. Unten stehen von links Harald Nolte, Annemarie und Heinrich Mihr.
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Im Innenraum der Neustädter Kirche: Auf der Kanzel Pfarrer Sebastian Werner sowie (unten, von links) Harald Nolte, Annemarie und Heinrich Mihr.

Aus einer Zeit, in der Martin Luther über seinen Schriften in Wittenberg brütete, stammt das Gewölbedach der Neustädter Kirche. Davon zeugt der Schlussstein aus dem Jahr 1520, der über dem Eingang thront.

Heute, 500 Jahre nach einem der bedeutendsten Umbauten der Kirche, wollte die Kirchengemeinde um Pfarrer Sebastian Werner eigentlich die Standhaftigkeit des Gotteshauses feiern. Am 13. September sollte die Feier unter dem Motto „Zwischen Himmel und Erde – 1520 bis 2020“ stattfinden, doch dann kam die Corona-Pandemie dazwischen.

„Das Fest holen wir aber im nächsten Jahr nach“, verspricht Pfarrer Sebastian Werner. Einen kleinen Vorgeschmack auf die Festlichkeiten gibt es aber schon in diesem Jahr. Die sechste Auflage des Kirchenführers, der eigentlich im September vorgestellt werden sollte, muss nicht bis zum nächsten Jahr warten. Bei einem Gottesdienst am ursprünglichen Festtag werde der Kirchenführer jedoch im kleinen Rahmen schon einmal Thema sein, so Werner.

Mit nicht beweisbaren Mythen aufräumen

Autoren des Heftes sind Annemarie und Heinrich Mihr. Das Ehepaar hatte monatelang überlieferte Legenden und erhaltene Artefakte rund um die Neustädter Kirche auf deren Wahrheitsgehalt und Ursprung untersucht. Ihr Wissen hatten die pensionierte Lehrerin und der ehemalige Pfarrer dann zusammengetragen.

„Wir wollten die Informationen kompakt halten und mit nicht beweisbaren Mythen aufräumen“, erklärt Heinrich Mihr, der selbst von 1983 bis 2009 Pfarrer der Neustädter Kirche war. Das gesammelte Wissen, aus Schriftstücken des Stadtarchivs, Literatur und persönlichen Gesprächen mit lokalen Experten hat das Ehepaar auf 23 Seiten festgehalten.

Auch die längst nicht mehr sichtbare Vergangenheit der Kirche deckten die Hobbyhistoriker auf. „Ich habe von einem Bauunternehmer aus dem Kreis erfahren, dass die Kanzel nur deshalb so gut erhalten ist, weil sie im Zweiten Weltkrieg eingemauert wurde“, berichtet Heinrich Mihr. Das hatte der befragte Unternehmer aus den Unterlagen seiner Vorfahren entnommen.

Deckenbamlung trat 1965 bei Renovierung wieder zu Tage

Andersherum erzählt der Kirchenführer, aus der Feder der Familie Mihr, von ehemals Unsichtbarem, das heute jedem Besucher ins Auge sticht: Die Deckenbemalung über dem Chorraum trat erst bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1964 wieder zutage. Bei der Restaurierung wurde auch die ursprünglich rote Farbe der Bemalung wiederhergestellt.

Auch der, den ehemals zukünftigen Bräuten vorbehaltene, Seiteneingang der Neustädter Kirche wird im neuen Kirchenführer verortet. Besonders wichtig war es dem Kirchenvorstand sowie Pfarrer und den Autoren, mit widerlegbaren Legenden aufzuräumen. „Die Hitlerglocke, die angeblich noch heute im Kirchturm hängt, gibt es nicht mehr“, entkräftet Kirchenvorstandsmitglied Harald Nolte die Gerüchte.

Die Hintergründe hierzu sowie die Geschichten von symbolischen Türklinken, der prächtigen Steinkanzel und weiteren Schätzen aus über 1000 Jahren Kirchengeschichte finden sich im neuen Kirchenführer des Neustädter Gotteshauses, der vor Ort oder beim Pfarramt zwei ausliegt.

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