Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

5G: Neues Netz, neue Sorgen

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Auf in eine gefährliche Zukunft? Die möglichen Auswirkungen von 5G auf die menschliche Gesundheit sind unerforscht. Unser Bild zeigt eine 5G-Leinwand, aufgenommen im Gebäude der Bundesnetzagentur.

Wie gefährlich ist der neue Mobilfunkstandard 5G für die Gesundheit?  Eine Infoveranstaltung der Freien Wähler in Eschwege. 

Werra-Meißner. Wie gefährlich ist der Mobilfunkstandard 5G? Für Industrie und Wirtschaft spielt das ultraschnelle Internet eine zentrale Rolle, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Längst ist ein globales Wettrennen um die Vorherrschaft auf diesem Gebiet entbrannt. Verbraucher dagegen fürchten, dass ihre Gesundheit in diesem komplizierten Gefüge auf der Strecke bleibt. „5G: Segen oder Fluch“ war eine Veranstaltung zum Thema der Freien Wähler Werra-Meißner am Donnerstagabend in der Eschweger Stadthalle überschrieben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie hoch war das Interesse an dem Impulsreferat?

Enorm. Die Freien Wähler haben mit ihrem Vorstoß einen Nerv getroffen: Über 100 Bürger aus dem gesamten Werra-Meißner-Kreis folgten den Ausführungen.

Ist der 5G-Standard ein Gesundheitsrisiko?

Eindeutig ja, so ein Resumee des Abends: „Das Thema Lobbyismus begleitet den 5G-Ausbau stark. Die gesundheitlichen Aspekte tauchen dagegen in der öffentlichen Diskussion zu wenig auf“. Knackpunkt hier: Der Ausbau der 5G-Mobilfunktechnologie macht deutlich mehr Basisstationen erforderlich, um ein einheitliches Netz zu schaffen. Die wiederum würden die Strahlenbelastung massiv erhöhen. Wissenschaftlich erwiesen nun sei deren tumorpromovierende Wirkung – das heißt, möglicherweise durch andere Einflüsse entstandene Tumore würden in ihrem Wachstum beschleunigt.

Wie viele Informationen zu 5G wurden vermittelt?

Tatsächlich wenige. Grund: Die Argumentation wurde auf (Langzeit-)Studien gestützt – und die sind für 5G schlicht noch nicht vorhanden. Die Annahme: In mehreren Studien sei nachgewiesen worden, dass bereits die Aussetzung der elektromagnetischen Wellen unter den heute gültigen Grenzwerten bei Mäusen zu „signifikanten Erhöhungen von Herz- und Hirntumoren“ geführt habe. Die dauerhafte Nutzung und Aussetzung von Funkstrahlen in der bereits bestehenden Intensität von WLAN, 3G und 4G sei für den Menschen „wahrscheinlich krebserregend“. Kommen noch die zwar kürzeren, aber deutliche häufigeren 5G-Strahlen hinzu, steige auch das Risiko.

Was fordert das Plenum?

Gewünscht ist eine transparente und ausgewogene Technologie-Folgen-Abschätzung – und zwar ausdrücklich noch vor Einführung des 5G-Standards. Der Ausbau von technischer Infrastruktur habe keineswegs Vorrang vor dem Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit. Zumal eine 5G-Flächenabdeckung angestrebt werde, sei Vorsorge ein zentrales Gebot.

Welche Lösungsansätze sieht die Referentin?

„Wir propagieren keine Internetabstinenz“, hieß es. So werde das schnelle Internet schon durch den Ausbau des Glasfasernetzes zur Verfügung gestellt. Weiterhin gelte es, schon durch die Standortwahl für Sendemasten die Strahlenbelastung zu senken.

Kommentarvon Emily Spanel

Kann das noch gesund sein?

Es gibt Dinge, die sind von Natur aus unheimlich. Strahlung zum Beispiel – weil man sie nicht sehen, hören und meist auch nicht spüren kann. Weil man aber weiß, dass sie da ist, in Gewebe eindringen und Energie übertragen kann. 

Es gibt deshalb nicht wenige Menschen, die sich besonders vor Mobilfunkstrahlung fürchten. Schließlich existiert kaum eine Strahlenquelle, die sich zuletzt derart massiv verbreitet hat wie die Handynetze. 5G wird neue Standards setzen. Noch schneller, noch umfangreicher, schlicht allgegenwärtig sollen bald Daten übertragen werden, als Fundament einer digitalisierten Gesellschaft. 

Es gibt also kein Entrinnen. Kann das noch gesund sein? Auf den ersten Blick erscheint die Angst begründet. So forderten kürzlich Hunderte Ärzte und Wissenschaftler aus Europa ein Moratorium für 5G, weil die gesundheitlichen Folgen des Standards nicht hinreichend untersucht seien. 

Doch vermutlich ist die Sache komplizierter. Den endgültigen Beweis für die (Un)schädlichkeit von Mobilfunkstrahlung kann es wohl gar nicht geben. Effekte der höheren Frequenzen auf die Gesundheit lassen sich nur aus den Daten für den bisherigen Mobilfunk ableiten. Zudem müsse man zwischen der Exposition durch Smartphones und durch Sendemasten unterscheiden. Die höchste Exposition geht demnach weiterhin von den Geräten selbst aus. 

Da viele Smartphone-Nutzer aber auch weiterhin alte Standards nutzen und noch dazu WLAN- und Bluetoothgeräte zuhause haben, ließe sich ein möglicher Effekt nicht zuordnen. Was der Wissenschaft bleibt, ist an Zellkulturen und Tieren zu forschen – und damit lassen sich zwar Indizien sammeln, aber keine Beweise. 

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