IG Bau fordert für Bauarbeiter Geld für den Weg zur Baustelle

Die 1200 im Werra-Meißner-Kreis beschäftigten Bauarbeiter zählen zu den Rekord-Pendlern in der Region. Sie legen  im Schnitt 64 Kilometer für die einfache Strecke zur Arbeit zurück.

Die 1200 im Werra-Meißner-Kreis beschäftigten Bauarbeiter zählen zu den Rekord-Pendlern in der Region. Nach einer aktuellen Untersuchung des Pestel-Instituts legen Bauarbeiter im Schnitt 64 Kilometer für die einfache Strecke zur Arbeit zurück.

„Um zur Baustelle zu kommen, haben sie nicht nur besonders weite Wege. Die Einsatzorte ändern sich auch ständig. Darunter leiden Familie, Freunde und Freizeit“, sagt Klaus Michalak, Bezirksvorsitzender der IG Bau Nordhessen. Erstmals soll es nun eine Entschädigung der sogenannten Wegezeiten am Bau geben. Das fordert die Gewerkschaft in der laufenden Tarifrunde, die am 25. Juni in Wiesbaden fortgesetzt wird.

In der repräsentativen Umfrage unter 4800 Bau-Beschäftigten in ganz Deutschland gab jeder Vierte an, mehr als eine Stunde zur Einsatzstelle unterwegs zu sein – plus Rückfahrt. Zum Vergleich: Unter allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern betrifft das nur fünf Prozent. IG- Bau-Bezirkschef Klaus Michalak spricht von „verlorener Lebenszeit“ und fordert die Baufirmen dazu auf, den Einsatz ihrer Mitarbeiter anzuerkennen. Damit könne die Bauwirtschaft auch einen wichtigen Beitrag gegen den Fachkräftemangel leisten. „Berufsstarter überlegen sich dreimal, ob sie in einer Branche anfangen, in der sie mehr Zeit im Bulli als zu Hause verbringen.“

Klaus Wiegand, Geschäftsführer bei Küllmer-Bau in Reichensachsen, einem der größten Bauunternehmen im Kreis, und gleichzeitig im Vorstand der Bau-Innung Werra-Meißner, kann den Wunsch nach mehr Lebenszeit verstehen. „Gerade wenn man Familie hat, wäre man gern länger zu Hause“, sagt er aus eigener Erfahrung. Bei Küllmer-Bau werden „seit eh und je“ nur Aufträge in einem Aktionsradius von rund 50 Kilometern angenommen. Wer in der Baubranche arbeite, wisse aber, worauf er sich einlasse. „Ich glaube nicht, dass eine Bezahlung der Arbeitswegezeit das Baugewerbe attraktiver macht.“ Ein Wegegeld sei nur akzeptabel, wenn alle Bauunternehmen sich an die Tarifbindung halten würden. Das wären momentan noch zu wenige. » SEITE 3

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