Gelungene Verwandlung

Hans-Joachim Heist ließ Heinz Erhardt in der vollen Stadthalle wieder aufleben

Auch optisch durchaus ähnlich: Der aus der „Heute-Show“ bekannte Hans-Joachim Heist erinnerte in der Eschweger Stadthalle an den großen deutschen Schauspieler Heinz Erhardt. Foto:  Berg

Eschwege. Zu Beginn beider Programmteile erzählte Hans-Joachim Heist aus dem Leben von Heinz Erhardt: 1909 in Riga geboren, Musikalienhandel-Lehre, wozu auch Klavier und Komposition gehörten, später sein Wechsel zur (Klein-) Bühne und mit 43 Jahren sein erster Film, dem sehr viele folgen sollten, manche in Göttingen gedreht.

Eine erfolgreiche Karriere als Spaßmacher nahm ihren Lauf bis zum Schlaganfall 1971, der sein Sprachzentrum irreparabel zerstörte, sodass der begnadete Plauderer bis zu seinem Tod 1979 nicht mehr auftreten konnte. Kurz zuvor wurde seine einzige Oper, die „Zehnpfennigoper“, fürs Fernsehen aufgenommen - und ein einziges Mal ausgestrahlt.

Nach diesem Einblick die Biografie des Künstlers verwandelte sich Heist in Erhardt. Und mit der Sprache, der Gestik, der Körperhaltung schaffte er die Illusion, Heinz Erhardt stünde auf der Bühne - und unterhielt fast zwei Stunden das Publikum, das an diesem Sonntagabend die Stadthalle füllte.

Hans-Joachim Heist, der erfolgreiche Kabarettist Mitte sechzig, hat mit seinem Programm „Heinz Erhardt - noch ein Gedicht“ ins Schwarze getroffen. Denn auch 35 Jahren nach Erhardts Tod kommt sein Humor beim Publikum an, ein Humor aus verrückten Wortspielereien und bizarr verdrehten Sätzen, ein sauberer, nie verletzender Humor, der Heinz Erhardt zu einer legendären Gestalt machte: zum liebenswürdigen Spaßmacher der Nation.

Das höchst vergnügte, in Schmunzel- und Lachdauerzustand versetzte Publikum genoss sichtlich die Fülle von Erhardt-Zitaten, die wie Perlen an einer Schnur rasant aufeinander folgten. Wobei der Kabarettist auch Eigenes in den Abend einflocht: mit von Lachsalven begleiteten Dialogen mit den Zuschauern.

Aber Erhardt blieb das Zentrum des Programms, das aus unzähligen Zitaten und Gedichten („noch ein Gedicht!“) gespeist wurde. Verrückte Knittelreime („Es würgte eine Klapperschlang, bis ihre Klapper schlapper klang“), witzige Sprüche („Bei den Behörden ist es genau wie beim Theater: Ein paar arbeiten und die anderen schauen zu“), und die Fülle an Gedichten, die man kennt, die aber immer wieder zünden („es gibt Gerüchte, dass Hülsenfrüchte in Mengen genommen nicht bekommen...“). Das wohl bekannteste Gedicht von Heinz Erhardt, das mit der Made, war genauso im Programm wie zwei Parodien von Goethes „Erlkönig“ oder das Gedicht mit dem Ritter, der bitter, weil nur Dritter.

Noch ein Gedicht? „Falls fallend du vom Dach verschwandest, so brems, bevor du unten landest.“ Ein erfolgreicher Abend, der die Lachmuskeln arg strapazierte. Langer Applaus und mehrere Zugaben.

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