Geschichte vom Schwan und Co.

Der Eschweger Geschichtsverein berichtete von der Dietemann’schen Kneipenszene

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Für Eschweger Verhältnisse überdimensioniert war das Hotel Koch/Hartmann, später Schlosshotel. Es reichte vom jetzigen Zweiradhaus Ebert (li.) bis zu dessen heutigem rückwärtigen Eingang um die Ecke an den Unteren Anlagen. In dem Gebäude war einmal die Sparkasse untergebracht und heute ist es das Kreisbauamt. Foto: privat

Eschwege. Auch der zweite Teil des Vortrages über die Geschichte der Eschweger Gastonomie erfreute sich starker Resonanz. Nach dem Goldenen Engel fand die Veranstaltung des Geschichtsvereins mit Jürgen Beck dieses Mal in der Gaststätte Zur Traube statt, selber ein Schwergewicht in der Dietemann’schen Kneipenszene. Sie hieß anfangs um 1900 Zum Mond und verdankte ihre Existenz wie andere Wirtshäuser am unteren Stad der Tatsache, dass neben der Alten Mühlhäuser Straße nach Reichensachsen sich auch der Stad zu einem Fernverkehrsweg für Kutschen mitten durch Eschwege entwickelte.

Schwan, Goldener Hirsch, Güldener Adler, Löwe, Anker und Lampe machten den Stad zu einer wahren Gastromeile. Meist wurden Häuser zusammen mit einer Metzgerei geführt. Hans Hess, Otto (ehemals Schöne Aussicht in der Reichensächser Straße) und Kurt Hundeshagen waren die letzten langjährigen Wirteoriginale in der Traube bis 1985.

In der Neuzeit folgten Wolfgang Gehrmann und ab 1995 Klaus Hoßbach. Auch zum Goldenen Engel Hinter den Scheuern gehörte eine Metzgerei. Hier hatten lange Jahre die Familien Riemann und Jost das Sagen, viele kennen noch die geliebte und gefürchtete Wirtin Meta Lips. Gleich dreimal gab es eine Kneipe mit Namen Krone und zwar am unteren und oberen Stad und dort, wo heute die Post ist. Die heute noch existente Krone begann mit einem Mann, der von Beruf Förster war, eine Bürgermeistersgattin war hier mal Wirtin und den ersten Billardtisch in Eschwege gab es in der Krone, heute geführt von den Brüdern Otto und Reinhard Brill.

Deren Vorfahren gründeten die Bergschlösschen-Brauerei in der Cyriakusstraße am Leuchtberg. Neben den genannten weitverbreiteten Wirtshausnamen gab es in Eschwege unter anderem einen Grünen Baum in der Forstgasse, einen Stern in der Brückenstraße, nur für das Näppchen in der Luisenstraße (heute Praxis Dr. Ellringmann) finden sich keine Hinweise für die Namensherkuft, erläuterte Jürgen Beck. Der betonte, kein Historiker sein zu wollen, sondern nur Geschichten erzählen möchte. Das gelang dem lange Jahre im Braureiwesen tätigen Rentner offensichtlich, es gab immer wieder spontan Beifall. Schließlich widmete er sich noch der wechselvollen Geschichte des Haydau-Hofs. Der beherbergte in der Forstgasse nacheinander Gaststätten mit den Namen Goldenes Fass, Zum Goldenen Adler, das Hotel Koch und das Hotel Hartmann. Vor einigen Jahren wurde es als Schlosshotel geschlossen und verkauft. Der neue Eigentümer hat von seinen angekündigten Plänen noch keine umgesetzt. Mit Schüssen und Mord im Scharfen Eck, einem spektakulären Verbrechen in der späteren Discothek Apollo 1975 endete der unterhaltsame und vergnügliche Abend. Es wird einen dritten Teil geben, aber erst im nächsten Jahr.

Von Helmut Mayer

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