Historiker Matthias Roeper spricht heute über den Umgang der Region mit der NS-Zeit

„Geschichte von unten“

Das Seminar zeigt, wie schnell die Nazis den Alltag erobert haben. Hier das Erntefest in Witzenhausen 1937. Foto: Stadtarchiv Witzenhausen

Eschwege. „Deutschland unterm Hakenkreuz“ heißt sein Geschichtsseminar. Heute ab 18.30 Uhr wird Historiker Matthias Roeper in der VHS Eschwege auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten und den Ausbau des sogenannten Führerstaates eingehen. Sein Fokus liegt auf der Regionalgeschichte der damaligen Kreise Eschwege und Witzenhausen. „Geschichte von unten“ nennt sich sein wissenschaftlicher Ansatz.

„Die Errichtung der NS-Diktatur hat sehr schnell das gesamte Land ergriffen, unsere Region war da keineswegs eine Ausnahme“, so Roeper, der als Stadtarchivar von Witzenhausen auf besondere Kenntnisse zu dieser Zeit zurückgreifen kann. Die Veranstaltung hat eine Diskussion unter den Teilnehmern zum Ziel.

Insbesondere in den beiden damaligen Tageszeitungen finden sich Belege dafür, wie schnell die nationalsozialistische Herrschaft auch hier Unterstützung fand und nicht nur die Politik, sondern auch den Alltag der Menschen durchdrang. Neben der Analyse zeitgenössischer Quellen, darunter auch zahlreichen Bildaufnahmen, sollen aber auch Fragen der Erinnerungskultur angesprochen werden.

Dazu hat Matthias Roeper einige Auszüge aus jüngeren Chroniken verschiedener Dörfer des Werra-Meißner-Kreises untersucht. Hier zeige sich hinsichtlich des Umganges mit den dunklen Kapiteln der eigenen Vergangenheit ein unterschiedliches Bild: „Während manche Chronisten sich hier sehr offen einer Aufarbeitung widmen, herrschen bei anderen noch immer Leugnung und Verdrängung vor“, so der 61-Jährige.

„Beschreibungen, in denen kein Wort über die Diktatur und die Verfolgungen dieser Zeit zu lesen ist, kommen für mich aus der Abteilung Unerträgliches“, so der Archivar, „wir müssen in der Lage sein zu sagen, was damals passiert ist“. Vor diesem Hintergrund zeigt ist Roeper erfreut, dass es in den beiden Städten Eschwege und Witzenhausen gerade in den vergangenen Jahren gelungen sei, eine umfassende Erinnerungskultur in Gang zu setzen, die auch das Leid der Opfer angemessen in den Blick nehme.

In Eschwege sei das durch die öffentliche Debatte um die Ehrung des Nazi-Bürgermeisters Beuermann mit einem Straßennamen ausgelöst worden. Auch um ihn und die Darstellung seiner Person soll es heute gehen. Schließlich zählte Beuermann auch zu jenen Gestalten, die von der Machtergreifung der Nationalsozialisten schnell profitierten. Schon bald wurde er als Bürgermeister eingesetzt. „Jeder, der eine solch herausgehobene Stellung in der Diktatur der Nationalsozialisten hatte, stand auch fest hinter deren Gedankengut“, so Roeper.

Von Melanie Salewski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare