Wie Eschwege evangelisch wurde

Geschichtsverein hat 29. Ausgabe seiner Eschweger Geschichtsblätter vorgelegt

Blick durch die Forstgasse: Diese 1908 gelaufene Ansichtskarte, auf der am Ende der „Forst-Strasse“ das 1907 fertig gestellte Amtsgericht zu sehen ist, prangt auf der Titelseite der neuen „Eschweger Geschichtsblätter“ . Repro: sff

Eschwege.  Der Geschichtsverein Eschwege hat die 29. Ausgabe seiner Geschichtsblätter vorgelegt. 96 Seiten stark ist das Heft, in dem es unter anderem um jüdische Familien geht, die einst in der  Kreisstadt gelebt haben. 

Jacob Meyberg und darunter Steindruckerei steht auf den Aushängeschildern am Eingang des Geschäfts an der „Forst-Strasse“ in Eschwege. Das Foto, besser die Ansichtskarte von 1908 mit dem Blick durch die heutige Forstgasse auf das ein Jahr zuvor fertiggestellte Amtsgericht, ziert die Titelseite der diesmal in dunkelgrünem Cover erschienenen Eschweger Geschichtsblätter.

Jakob Meyberg und insgesamt den beiden jüdischen Eschweger Handwerker- und Kaufmannsfamilien Levy und Meyberg ist der umfangreichste Aufsatz im neuen Heft des Geschichtsvereins Eschwege gewidmet. Der Historiker Rainer Nickel stellt die Familien vor, die im 19. und 20. Jahrhundert Teil der Wirtschaftsgeschichte Eschweges waren.

Eingeleitet wird das 96 Seiten starke Heft aber im Jahr eins nach dem Reformationsjubiläum von einer Arbeit des Eschweger Dekans Dr. Martin Arnold. Er hat unter dem Titel „Wie wurde Eschwege evangelisch?“ viele Quellen über die Anfänge der Reformation in Eschwege zusammengetragen und ausgewertet.

Im Gegensatz zu den großen Städten dauerte es vor 500 Jahren in Eschwege länger, bis die Neuordnung einer evangelischen Kirche zustande kam. Schließlich wurde die Reformation hier in Ermangelung eines Predigers, der die neuen Lehren vermittelte, durch den Landgrafen angeordnet und durchgesetzt.

Aber es änderte sich auch in den Eschweger Gotteshäusern einiges. Eine der drei Stadtkirchen wurde sogar schon 1527 aufgegeben: die Godehard- beziehungsweise Nikolaikirche, von der heute nur noch der Turm zeugt.

Außerdem findet sich in den Geschichtsblättern ein Bericht von Detlev Weber über seinen Besuch bei der Familie Narev (vormals Narewczewitz) 1961 in London, ergänzt durch nähere Erläuterungen von York-Egbert König zu der 1939 aus Eschwege geflohenen jüdischen Familie.

Von dem 2017 verstorbenen Eschweger Künstler, Lehrer und Forscher Dr. Günther Schaumberg stammen „Meine Erinnerungen an Dr. Ludwig Hindenlang“. Damit wird versucht, Beweis zu führen, dassHindenlang (1882-1940), einst Lehrer an der Friedrich-Wilhelm-Schule und Gründer des „Vereins zur Pflege der Kunst“ (aus dem später der Kulturbund Eschwege wurde), der „braunen“ Weltanschauung zumindest nahe stand. Offen geäußert hat er seine politische Überzeugung offenbar nicht. Mit diesem Aufsatz setzt der Geschichtsverein auch die Beitragsserie zu umstrittenen Eschweger Straßennamen in den Geschichtsblättern fort.

In dem Heft hat zudem Dr. Karl Kollmann unter dem Titel „Drei Techer Leder und eine Tonne Honig“ interessante Erkenntnisse über die sich ändernden Warentransporte über Eschwege und Wanfried vom 16. bis 18. Jahrhundert herausgefunden. Noch interessanter ist, dass Kollmann die „Krebsaugen aus Mühlhausen“ identifiziert und warum sie auch im Werraland begehrt waren.

Bevor zuletzt auf aktuelle Veröffentlichungen aus dem Werra-Meißner-Kreis und darüber hinaus eingegangen wird, würdigt Kollmann noch die Anfang des Jahres verstorbene Eschwegerin Ursula Vaupel, die nicht nur in der Stadt ihre Spuren hinterlassen habe, sondern auch im Geschichtsverein mit Publikationen hervorgetreten sei.

Legende:Eschweger Geschichtsblätter 29/2018, herausgegeben im Selbstverlag vom Geschichtsverein Eschwege, 96 Seiten mit zahlreichen Abbildungen; ISSN 2197-6163, erhältlich im heimischen Buchhandel und im Stadtarchiv auf dem Schulberg für 15 Euro

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