Autofahrer bringen Retter in Gefahr

Gesperrte Straßen nach Sturmtief: Diese Folgen hat das Ignorieren von Warnzeichen

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Durchfahrt verboten: Wenn nach einem Sturm Straßen gesperrt werden, sollte man sich auf keinen Fall darüber hinwegsetzen, weil man dadurch sich und andere womöglich in Lebensgefahr bringt. Unser Bild entstand vergangene Woche nach Orkan Friederike an der Strecke zwischen Friedrichsbrück und Helsa.

Werra-Meißner. Wegen des Orkans Friederike waren zuletzt viele Straßen im Werra-Meißner-Kreis gesperrt. Dennoch gab es Fälle, in denen Auto- und Lastwagenfahrer die Sperren umfuhren und sich selbst in Gefahr brachten.

Welche Fälle gab es aktuell im Kreis?

Am vergangenen Donnerstag hatte sich laut der Polizei gegen 20.30 Uhr ein Langholztransporter in der Nähe des Schwalbenthals am Meißner festgefahren, obwohl der Bereich wegen Sturmschäden und Glätte gesperrt war. Die Firma organisierte ein Bergungsfahrzeug, das den Lkw aus dem Graben zog. 

Zwischen Kleinalmerode und Nieste ignorierten mehrere Autofahrer die Straßensperrung, zwischen Wendershausen und Rückerode rissen Autofahrer laut Witzenhausens Wehrführer Claus Demandt das Trassierband ab, um ins gesperrte Flachsbachtal zu fahren.

Welche Gefahren drohen, wenn man bei Sturm gesperrte Straßen doch befährt?

Es können weitere Bäume umstürzen, man kann von herabfallenden Ästen getroffen oder im Auto eingeschlossen werden. Wer dabei so schwer verletzt wird, dass er nicht mehr selbst einen Notruf absetzen kann, muss lange auf Hilfe warten, weil keine anderen Verkehrsteilnehmer vorbeikommen, warnt Kreissprecher Jörg Klinge. 

„Es ist eine massive Gefahr, in die sich Menschen dann begeben.“ Auch gefährde man die Sicherheit von Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungsdienst, die zur Hilfe eilen. Dadurch binde man laut Demandt Retter, die zeitgleich andernorts für unvermeidbare Einsätze gebraucht würden.

Müssen Einsatzkräfte Menschen retten, die sich vorsätzlich in Gefahr bringen?

Ja, sagt Polizeisprecher Jörg Künstler. Es sei ureigenste Aufgabe von Polizei und Feuerwehr, Menschen in Not zu helfen. Ob die selbst an ihrer Misere Schuld sind, spielt dabei keine Rolle. Die Gefahr, im Einsatz verletzt zu werden, gehöre für Polizisten zum Berufsrisiko. „Aber man muss sich nicht in Lebensgefahr bringen, um jemanden zu retten.“ Das bestätigen Klinge und Demandt für die Feuerwehr. 

„Wir gehen jedem Hilferuf nach“, sagt Demandt. Selbstschutz gehe im Zweifel aber vor. Die Einsatzleiter müssten entscheiden, ob sie die Einsätze der Feuerwehrleute verantworten könnten. Diese Frage stelle sich aber nicht nur bei Straßensperrungen, sondern auch bei schwierigen Löscharbeiten.

Wer trägt die Kosten für so einen Einsatz, und welche Strafen drohen?

Wer sich vorsätzlich oder grob fahrlässig in Gefahr begibt und so für den Einsatz der Feuerwehr sorgt, dem stellt die zuständige Kommune die Kosten in Rechnung, so Demandt. „Da können vierstellige Summen zusammenkommen“.

Wer die Schilder „Durchfahrt verboten“ ignoriert, begeht laut Künstler eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldstrafe geahndet wird. 

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