Fast 2000 Menschen im Kreis sind psychisch krank

Gesundheitsexperten aus dem Kreis: Smartphone trägt zu Stress bei

Werra-Meißner. Ich habe kein Netz. Wo kriege ich Strom her? Wann muss ich auf den blauen Haken bei Whats-App reagieren? Das Smartphone mit der einhergehenden ständigen Erreichbarkeit stresst die Menschen zusätzlich neben dem Beruf.

„Der Mensch hat sich über die vielen Jahre nicht so rasant entwickeln können, wie es die Technik macht“, sagt Harald Klement. Der stellvertretende Vorstand der Betriebskrankenkasse (BKK) Werra-Meißner bemängelt, dass die Versorgungssituation für psychisch Kranke im Werra-Meißner-Kreis nicht gut sei. Es gebe wenige Fachärzte im Kreis, wodurch es zur Herausforderung werde, einen Termin zu bekommen. Daher führe der Weg viele in die psychiatrische Institutsambulanz des Krankenhauses, wo es inzwischen auch schwierig sei, einen Termin zu bekommen.

Vor fast einem Jahr hat die BKK daher in Kooperation mit Aufwind – Verein für seelische Gesundheit – und der Diacom Altenhilfe eine ambulante psychiatrische Pflege ins Leben gerufen. Dabei kommen Krankenschwestern, die lange in der Psychiatrie gearbeitet und zudem eine Zusatzqualifikation haben, zu den Menschen nach Hause. Gemeinsam werden dann die Stressfaktoren ausfindig gemacht, neue Perspektiven gesucht und eventuell die Wohnsituation verändert. Diese Regelversorgung ist vom Gesetzgeber zwar seit 2005 vorgesehen, nur gab es bisher keinen Anbieter im Werra-Meißner-Kreis. „Bisher gibt es das Angebot exklusiv für Versicherte der BKK, bei Versicherten anderer Kassen hängt es von Einzelfallentscheidungen ab“, sagt Klement über das zunächst auf zwei Jahre angelegte Projekt.

Zwar sei die Zahl der Krankschreibungen wegen Arbeitsunfähigkeit bei der AOK Werra-Meißner im vergangenen Jahr nahezu stabil geblieben, „allerdings ist der Anteil an Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen deutlich gestiegen“, sagt Riyad Salhi von der AOK. Am häufigsten seien Menschen in medizinischen und pädagogischen Berufen betroffen, „aber auch Personen in weniger qualifizierten Berufen und Arbeitslose lassen sich oft aus diesen Gründen krankschreiben“.

Einer der Gründe, warum die Zahl der psychisch Erkrankten stetig steige, sei, dass diese Krankheiten mittlerweile häufiger erkannt und behandelt würden als früher, wo sie oftmals hinter Krankheitsbildern wie chronischem Rückenschmerz, Tinnitus oder Kopfschmerz versteckt wurden.

Zudem habe sich auch die Arbeitswelt verändert, mehr Effizienz, Flexibilität und Mobilität seien gefordert. Hinzu kämen Arbeitsplatzunsicherheit und Arbeitslosigkeit als Stressfaktoren.

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Rubriklistenbild: © Christin Klose/dpa-tmn

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