Eltern zahlen nicht

Getrennte Eltern bleiben Unterhalt schuldig – Kreis zahlt für 1200 Kinder

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Der Werra-Meißner-Kreis zahlt in diesem Jahr für fast 1200 Kinder Unterhaltsvorschuss an deren alleinerziehende Mütter oder Väter

Der Werra-Meißner-Kreis zahlt in diesem Jahr für fast 1200 Kinder Unterhaltsvorschuss an deren alleinerziehende Mütter oder Väter, weil der andere Elternteil seiner Verpflichtung nicht nachkommt.

Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 3,6 Millionen Euro. Das jedenfalls ist die im Kreishaushalt vorgesehene Ausgabe.

Den laufenden Unterhalt bleiben nach Schätzungen von Fachdienstleiter Holger Franke vom Kreissozialamt zu 90 Prozent Männer schuldig. „Auch hier gilt das klassische Rollenbild“, sagt er. In vielen Fällen kann der unterhaltspflichtige Elternteil nach einer Trennung aus wirtschaftlichen Gründen aber auch gar nicht zahlen. „Wo nichts zu holen ist, ist nichts zu holen“, so Fachbereichsleiterin Heidi Bevern-Kümmel. Unterhaltspflichtige würden auf Behördenpost nicht reagieren, weil sie dazu nicht in der Lage seien. Briefe blieben liegen. „Das ist dann eine sehr einseitige Brieffreundschaft.“

Kreis muss für säumige unterhaltspflichtige Eltern einspringen

Der Kreis muss verstärkt für säumige Unterhaltspflichtige einspringen, die Aufwendungen haben zugenommen. 2018 lagen sie noch bei knapp über zwei Millionen Euro, 2017 bei nur 1,26 Millionen Euro. Ebenso nahm die Zahl der Fälle zu: von 600 Ende 2017 auf 830 Ende vergangenen Jahres auf 1170 Ende November dieses Jahres. Der Anstieg der Zahlen gehe nicht in erster Linie auf gesellschaftliche Veränderungen zurück, sondern auf den Wegfall der zeitlichen Befristung bei der Leistung von Unterhaltsvorschuss.

Die Höhe richtet sich nach dem Alter des Kindes und liegt zwischen 150 und 272 Euro. Im nächsten Jahr steigt der Satz geringfügig an um zwischen 15 und 20 Euro. Das entspricht dem Mindestunterhalt abzüglich Kindergeld. Der Kreis versucht, die Leistungen vom sogenannten „familienfernen“ Elternteil zurückzubekommen. Das gelingt natürlich nur, wenn der auch leistungsfähig ist, grundsätzlich aber dann besser, wenn eine Bereitschaft zur Zahlung da ist. Bevern-Kümmel: „Die Bereitschaft, Unterhalt zu zahlen, hängt auch immer davon ab, wie eng die Kontakte zwischen Kind und dem Unterhaltspflichtigem sind.

Die Leistungen der Kommune waren ursprünglich nur als vorübergehende Soforthilfe gedacht. „Die Realität ist eine andere“, weiß Franke. Oft würden die Leistungen über Jahre gezahlt. Der Kreis liegt mit seiner Rückholquote allerdings stets über dem Landesdurchschnitt. Mehr als ein Viertel aller ausgelegten Zahlungen fließen zurück in die Kreiskasse.Fotos: Archiv

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