Glanzvolle Premiere des Stückes „Die zwölf Geschworenen“ im Dachbodentheater

Die Messerprobe: Geschwerner Nummer drei (Matthias Schäfer) demonstriert an Nummer acht (Susann Schäfer) den angeblichen Messerstich des Beschuldigten Jugendlichen. Foto: Möller

Oberhone. Die Premiere des Stückes "Die zwölf Geschworenen im Dachbodentheater Oberhone war ein voller Erfolg. 

Der Fall scheint auf Grund der vorgetragenen Beweislage eindeutig und die Geschworenen wollen sich nicht länger als nötigdamit beschäftigen – zumal ein Baseballspiel am Abend lockt. Bei der ersten Abstimmung wird dann auch nahezu einstimmig – mit elf zu einer Stimme – für „schuldig“ gestimmt. Nur die Geschworene Nummer acht, eine Kinderärztin, will nicht vorschnell urteilen und äußert Zweifel an den nicht ganz wasserdichten Zeugenaussagen.

Dramatischer Beginn der Premiere des Stcükes „Die zwölf Geschworenen“ am Donnerstagabend im ausverkauften Dachbodentheater in Oberhone. Ein erbitterter und spannungsgeladener verbaler Kampf zwischen den Laienrichtern. Die Entscheidung über Leben und Tod eines Menschen ist Nummer acht (Susanne Schäfer) mindestens eine faire Diskussion wert. Detailgenau werden noch einmal die Zeugenaussagen besprochen. Hitzige Gemüter geraten aneinander. Die Atmosphäre ist zum Zerreißen gespannt. In der zermürbenden Sitzung gelingt es der Kinderärztin durch Beharrlichkeit, Logik, Redekunst und Einfühlungsvermögen, die anderen nach und nach auf ihre Seite zu bringen, wobei die Beobachtungen der beiden Hauptzeugen sich als zweifelhaft herausstellen und ausnahmslos jedes Indiz entkräftet wird.

Die anfängliche Selbstsicherheit der Geschworenen beginnt zu bröckeln, psychische Belastungen und Vorurteile kommen zum Vorschein, die alles andere als eine objektive Betrachtung des Falles ermöglichten. Nach und nach kann Nummer acht die Anderen umstimmen, selbst die extremistisch und rassistisch veranlagte Nummer zehn (Nicol Wolf) und auch den impulsiven und lautstark argumentieren Kleinunternehmer Nummer drei (Matthias Schäfer), der unter der Last der eigenen Erfahrung – sein Sohn wollte ihn vor zwei Jahren erstechen – zusammenbricht.

Die Zuschauer sind über zwei kurzweilige Stunden hautnah mit den Auseinandersetzungen der Geschworenen konfrontiert, halten die Dialoge der exzellenten Laiendarsteller – angefangen von Brigitte Meier als Leiterin, Claudia Knierim, Birte Paasch als eine der letzten „Schuldigen“, Bernd Pürschel als Arbeitsloser mit Hinterhoferfahrung, David Ingrisch als einfacher Arbeiter mit Fachwissen, Baseball-Fan Sven Kasper-Lange, Johanna Schäfer als mit arabischen Wurzeln und Burka versehene Chemikerin, Fanny Schäfer als feinfühlige und auf Details achtende Seniorin, und Heiko Alsleben als Wechselspieler zwischen Schuldig und Unschuldig – den Spannungsbogen stets hoch. Als Souffleuse dirigierte Christine Schröder, für das Bühnenbild sorgte Benjamin Scheuer.

Dem Dachbodentheater gelang in Memoriam an seinen Gründer und Initiator, Henning Schäfer, selbst mit kleineren Stolpersteinen ein mit viel Menschverstand, aber auch Humor, gespicktes leidenschaftliches Plädoyer gegen menschliche Voreingenommenheit und leichtfertige Kategorisierung.

Von Dieter Möller

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