40 Jahre Die Grünen im Werra-Meißner-Kreis - „ Erfolge geben zu denken“

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Ein Teil deutscher Geschichte: Diese Turnschuhe trug Joschka Fischer 1985 bei seiner Vereidigung zum hessischen Umweltminister (links). Sie sind ein Symbol des Andersseins der Grünen aus ihren Anfangszeiten. Heute sind die Sneaker im Deutschen Ledermuseum in Offenbach ausgestellt.

Seit 40 Jahren gibt es Die Grünen im Werra-Meißner-Kreis. Aktivisten und Weggefährten, aber auch Widersacher, erinnern sich. 

In dieser Woche haben die Grünen ihren 40. Geburtstag gefeiert. Wir haben mit Grünen der ersten Stunde aus der Region über die Anfänge gesprochen und bei Weggefährten nachgefragt, wie sie die Entwicklung der Partei bewerten.

Die Grünen

Der Eschweger Gerhard Marquardt hat ein Stück grüne Gründungsgeschichte miterlebt: 1980 im Frühjahr in Offenbach. „Als jemand, der nicht aus der Umweltschutzecke kommt, sondern aus der sozialistischen, war das sehr anstrengend. Meine Sympathien gehörten den Grünen, auch, weil sich in der SPD in den Achtziger-Jahren nichts entwickelte.“ Sieben Jahre später trat Marquardt in die neue Partei ein nach Bildung der Koalition mit der CDU in Hessen wieder aus. Er gehörte lange der Stadtverordnetenversammlung in Eschwege an, war auch Stadtrat in der Kreisstadt. Die Erfolge der heutigen Grünen „geben mir auch zu denken“, sagt er.

Die hessische Landesvorsitzende ihrer Partei, Kreistagsabgeordnete und frühere Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Eschwege-Witzenhausen, Sigrid Erfurth, sieht vor allem Umweltpolitik als durchgehend wichtiges Thema ihrer Partei – aber eben nicht ausschließlich. Friedenspolitik, Frauen- und soziale Themen seien ebenfalls von Bedeutung gewesen. Im Werra-Meißner-Kreis ist nach Ansicht Erfurths mit der Beteiligung der Grünen deutlich geworden, dass mehr für Ökologie und Klimaschutz getan wird.

Lothar Dietrich war viele Jahre für die Eschweger Grünen aktiv, gehörte der Stadtverordnetenversammlung an, war Fraktionsvorsitzender, aber nie Mitglied der Partei. An die Gründung erinnert er sich noch gut: „Die waren auch alle langhaarig, die Männer trugen Bärte, ein Haufen von Anarchisten. “ Getragen von der Friedens- und der Anti-Atomkraft-Bewegung war das die politische Basis der neuen Partei. Schon die Schröder-Fischer-Bundesregierung war für ihn eine riesige Enttäuschung, mit der schwarz-grünen Koalition in Hessen wandelte sich die Politik nach Ansicht Dietrichs gänzlich. „Schade, was aus den Grünen wurde: Sie sind windelweich gewaschen.“

Damals wie heute gehören für den Landtags- und Kreistagsabgeordneten Felix Martin bei den Grünen ökologische und soziale Themen zusammen. Seine Partei habe in diesen 40 Jahren das Land geprägt und ihren festen Platz in der Politik gefunden. „Besonders macht für mich diese Partei, die älter ist, als ich selbst bin, ihr Anspruch, alle mitzunehmen und zu beteiligen.“

SPD, CDU, FDP und FWG

„Ich erinnere mich an strickende Männer und Frauen in Parlamenten, die Blumentöpfe dabei hatten“, sagt Uwe Brückmann. Eine neue politische Welle habe begonnen und „wir als konservative Partei begingen große Fehler, als wir Leute wie Herbert Gruhl in den eigenen Reihen nicht zuließen“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag. Der Umweltaktivist Gruhl verließ die Christdemokraten und gehörte 1980 zur Grünen Aktion Zukunft (GAZ), zu den Mitbegründern der Grünen. Für Brückmann ist die Koalition aus CDU und Grünen das Zukunftsmodell in der deutschen Politik.Andreas Hölzel, für die FWG im Kreistag und in der Eschweger Stadtverordnetenversammlung, sagt, er sei bereits als junger Mensch an grünen Idealen interessiert gewesen. „Als jedoch die Grünen dann Berufspolitiker stellten, bestätigte sich mein Zweifel an deren Politik. Es zeigte sich, dass sie in der Regel zulasten der Mittelschicht und ärmeren Gesellschaft geht“, sagt er.

Die Linke

Als „Befürworter grüner Politik“ bezeichnet sich Bernhard Gassmann (Die Linke). Gassmann gehört dem Kreistag Werra-Meißner und der Eschweger Stadtverordnetenversammlung an. Bemerkenswert seien die Politik und die Entwicklung. Aber: „Die Grünen von heute sind nicht mehr die Grünen früherer Jahre.“ Mit der Atomkraft und der Umweltpolitik gab es vor vierzig Jahren nach Ansicht des früheren Eschweger FDP-Fraktionsvorsitzenden Joachim Fehr sieht berechtigte Interessen, „eine Thematik nach vorn zu bringen“, die zur Gründung der Partei führte. Die Politik habe eine Bereicherung erfahren, auch wenn die Grünen manchmal überzogen hätten. „Wenn man beklagt, dass die Partei zu groß geworden ist, muss man sich fragen, was man selbst falsch gemacht hat“, sagt Fehr.

An „inhaltliche Nähe“ zu den Themen der Friedensbewegung in den Gründungsjahren der Grünen erinnert sich der SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Lothar Quanz. Ein zweiter wichtiger Punkt sei die Ökologie. „Das hat die Grünen wichtig gemacht.“ Die Partei habe sich gewandelt, habe Kompromisse geschlossen, sei koalitionsfähig geworden. In der Kreispolitik, so Quanz, habe er positive Erfahrungen mit den Grünen als Partner gemacht.

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