Die Grünlandpflege fördern

Kreis hat zahlreiche Projekte für Landwirtschaft und Naturschutz angeschoben

Oberhone. Im Werra-Meißner-Kreis fehlen Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde zur Beweidung der Grünlandflächen. „Spätestens seit dem zweiten Bericht zur Lage der Landwirtschaft im Jahr 2013 wurde deutlich, dass wir hier Probleme bekommen“, sagt Umweltdezernent Dr. Reiner Wallmann.

Allein in den Jahren 2010 bis 2013 sei die Zahl der Tiere um fast 30 Prozent zurückgegangen. „Der Beruf des Schafzüchters lohnt sich finanziell nicht, da müssen wir unbedingt ansetzen“, sagt er.

Doch warum ist Grünlandpflege überhaupt wichtig? Für Wallmann ganz klar: „Um die Landschaft vor der Verbuschung und damit die Artenvielfalt zu bewahren, Tierhaltern eine wirtschaftliche sichere Perspektive zu bieten und den Tourismus zu fördern.“ In den vergangenen Jahren wurden deshalb seitens der Kreisverwaltung bereits zahlreiche Projekte angeschoben und teilweise auch schon umgesetzt:

Nachfolger gefunden

So konnte die Kreisverwaltung erfolgreich einen Nachfolger für die Beweidung am Krösselberg bei Abterode finden. „Es ist uns gelungen, einen Schäfer aus Freiburg in den Kreis zu holen“, sagt Wallmann. So wird das dortige FFH-Gebiet vor der Verbuschung bewahrt.

Neue Kooperationen

In Grandenborn haben sich vier Nebenerwerbslandwirte zur EU-Bio GbR zusammengeschlossen, die jetzt auf zusammen 24 Hektar Tiere weiden lassen. „Den Zaun dazu hat das Regierungspräsidium Kassel finanziert“, erklärt Wallmann. Allgemein sei er sehr erfreut darüber, wie die Betriebe, die Verwaltung und die Verbände beim Thema Landwirtschaft und Naturschutz im Kreis zusammenarbeiten würden.

Modellregion

Grünlandsicherung: Tiere sind wichtig für die Pflege der extensiven Grünlandflächen, so weiden zum Beispiel Ziegen auf Gut Friedrichsbrück sowie Extensivrinder und die Schafherde von Familie Timmerberg auf dem Hohen Meißner. Foto: Kreisverwaltung/Lenarduzzi/nh

Zudem ist der Kreis ökologische Modellregion. Darin sollen die verschiedenen Projekte zur Grünlandpflege vernetzt werden. Derzeit wird ein Konzept zur Sicherung wertvoller Grünlandstandorte erstellt, für das bereits elf Standorte mit rund 1100 Hektar Fläche von Witzenhausen bis Ringgau identifiziert wurden. 50 000 Euro Fördergeld von der EU hat die Verwaltung dafür erhalten, für die Umsetzung gibt es in den nächsten sechs Jahren weiterhin jährlich 50 000 Euro.

Regionale Entdeckungen

Für das Projekt Regionale Entdeckungen hat der Kreis am Dienstag den Bescheid einer Leader-Förderung bekommen. Derzeit wird an einer Internetpräsenz und eine Druckbroschüre gearbeitet, in der vom Imker bis zu Metzger die Erzeuger regionaler Lebensmittel sowie die aktuellen Projekte des Landwirtschaftsamtes und der Naturschutzbehörde vorgestellt werden sollen. „Dieses Angebot ist für die Erzeugerbetriebe kostenlos“, erklärt Gerhard Müller-Lang, Leiter des Landwirtschaftsamtes. Wichtig sei eine gute Vermarktung, damit sich die Arbeit der Tierhalter und Produzenten auch wirtschaftlich lohne, sagt Wallmann: „Nur wenn wir die Situation für die Landwirte und Tierzüchter stabilisieren, können wir auch Nachwuchs generieren - und so die Grünlandpflege durch Beweidung sichern.“

Streuobstwiesen

Ganz neu aufgelegt hat die Kreisverwaltung ein Förderprogramm für Streuobstwiesen: Sowohl für die Neuanlage als auch für den Erhalt bestehender Obstwiesen können ab sofort Anträge bei der Unteren Naturschutzbehörde gestellt werden. 60 Euro pro Baum sind möglich, wenn die Förderbedingungen - mindestens 1000 Quadratmeter Fläche und mindestens zehn Bäume die gepflanzt werden - erfüllt sind. „Streuobstwiesen sind sehr wichtig für die Artenvielfalt und auch für den Tourismus“, sagt der Leiter der Naturschutzbehörde, Friedrich Haselhuhn.

Von Diana Rissmann

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