Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ist jetzt offiziell eingeweiht

Grußworte auf Persisch

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Walid, Mahdi, Hassan, Odigie, Alhassan, Jamel, Isak und Meraj leben an der Schillerstraße in Eschwege. Die Jugendlichen sind Flüchtlinge, die ohne Begleitung von Eltern und Familie nach Deutschland gekommen sind.

Eschwege. Keiner der vielen anwesenden Gäste versteht den Redner. Der sechzehnjährige Mahdi kommt aus Afghanistan und spricht sein Grußwort auf Dari, eine Sprache, die dem Persischen entstammt und Verkehrssprache seiner Heimat ist. Seine Rede wird nicht übersetzt. „Mit Absicht“, sagt Henning Wienefeld.

„Jetzt können Sie sich vorstellen, wie es ist, in ein fremdes Land zu kommen und nicht ein Wort zu verstehen“, sagt der Leiter der Eschweger Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (im Amtsdeutsch UMFs genannt) an der Schillerstraße, die am Donnerstag offiziell eingeweiht wurde. Mahdi hätte seine kleine Rede auch in perfektem Deutsch halten können.

Neun Jugendliche aus Afghanistan, Sudan, Guinea und Syrien leben in dem Haus. Für heute werden zwei weitere erwartet. Dann ist das Haus fürs Erste voll belegt. Die ersten minderjährigen Flüchtlinge hatten die Wohngruppe bereits im Herbst 2011 bezogen. Inzwischen hat der Träger Hephata für 420 000 Euro das Gebäude erworben, umgebaut und saniert. Es bietet nun Platz für elf „UMFs“.

„Diese Einrichtung kann den Jugendlichen ihre Heimat nicht ersetzen. Aber sie gibt ihnen einen sicheren und geborgenen Raum“, sagte Landeskirchenrat Horst Rühl, Landespfarrer für Diakonie. Auch Landrat Stefan Reuß hieß die Jugendlichen am Donnerstag herzlich willkommen und versprach, auch im Hinblick auf die wachsenden Flüchtlingsströme aus Syrien: „Wir werden unser Bestes tun, den Menschen hier zu helfen.“

In Deutschland leben zwischen 5000 und 10 000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Hessen hat in diesem Jahr 400 von ihnen aufgenommen. „Die Flucht aus den Krisenländern ist teuer und gefährlich und es wird immer schwerer, die Festung Europa zu betreten“, sagte Wienefeld. Viele der Kinder und Jugendlichen sind aus ihrer Heimat und der Flucht schwer traumatisiert. Zugleich lernen sie enorm schnell Deutsch, machen Schulabschlüsse und sind vor allem bei Sportvereinen sehr beliebt. „Vielleicht kommt der nächste Werra-man ja aus der Schillerstraße.“

Für ihre Gäste hatten die Jugendlichen am Donnerstag gekocht - afghanisch mit Lamm und Reis, afrikanisch mit Stockfisch und Maniok.

Von Stefanie Salzmann

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