Chancen auf den  Traumberuf  - derzeit wenig Bewerber im Handwerk 

Axel und Christian Vogelei
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Haben bereits einen Auszubildenden für dieses Jahr gefunden: Axel (links) und Christian Vogelei. FOTO: MICHAEL CASPAR

Selten waren die Chancenim Werra-Meißner-Kreis so gut, einen Ausbildungsplatz im Traumberuf zu bekommen. Das liegt daran, dass wenig junge Menschen sich für einen handwerklichen Beruf entscheiden.  

Werra-Meißner.„Selten waren die Chancen so gut, einen Ausbildungsplatz für den Traumberuf zu ergattern“, sagt Stephan Schenker, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Werra-Meißner. Der Grund: Die Bewerberzahlen seien niedrig, weil sich viele junge Menschen zu „akademischen Weihen berufen“ fühlten. „Die Corona-Krise hat dagegen keine Auswirkungen“, betont Schenker.

Zahl der Ausbildungsplätze wie im Vorjahr

Die Zahl der Ausbildungsplätze, die die Betriebe seiner elf Innungen bisher vergeben hätten, entspreche der des Vorjahres – trotz ausgesetzter Schulpraktika und abgesagter Berufsinformationstage. Gut nachgefragt würden Lehrstellen zum Kraftfahrzeug-Mechatroniker oder Tischler. Der Anlagenmechaniker sei im Kommen. Interesse gebe es zudem an Berufen wie dem des Maurers, Stahlbetonbauers oder Zimmermanns.

Mehr Zulauf für Elektrobereich erhofft

„Mehr Zulauf erhoffen wir uns im zukunftsweisend ausgerichteten Elektrobereich“, sagt der Geschäftsführer. Auch angehende Bäcker und Fleischer würden gesucht. Viele Chefs akzeptierten Bewerber mit Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Problemen bei der Prozentrechnung. Ein Vorteil des Bäckerberufs: Weil es morgens um 3 Uhr losgehe, könnten Bäcker im Sommer bereits um 14 Uhr im Freibad liegen.

Junge Menschen melden sich eigeninitiativ

Sehr früh hat die Firma Kollmann Putzen, Sanieren, Tapezieren aus Hessisch Lichtenau einen Auszubildenden gefunden, der von September an Maler und Lackierer lernt. In anderen Jahren zog sich die Suche teilweise bis Ende August hin. Junge Menschen melden sich aus eigener Initiative – allerdings weniger, als es sich der Handwerksbetrieb wünscht. Auf dem Bau zu arbeiten, sei offenbar nicht so attraktiv, vermutet die Firma. Automobilhersteller hätten es einfacher.

Schulpraktika als sinnvoller Weg

„Wir finden unsere Auszubildenden über Schulpraktika“, berichtet Axel Vogelei, der gemeinsam mit seinem Bruder Christian Vogelei die Geschäfte des Autohauses Heinrich Vogelei Söhne Nachf. KG führt. Zehn Praktikanten hätten sie im Laufe eines Jahres in der Werkstatt. Wer sich gut mache, werde von ihnen angesprochen. Sie erwarteten mindestens einen Realschulabschluss. Die Arbeit in der Werkstatt sei anspruchsvoll. In den Autos gebe es heute viel Elektronik. Da müssten sich Mitarbeiter hineindenken können. Alle zwei Jahre stellten sie einen Lehrling ein, der dann jeweils von August an dreienhalb Jahre bei ihnen Kfz-Mechatroniker lerne.

Der Platz für 2020 sei vergeben. „Im Kraftfahrzeuggewerbe jemanden zu finden, gestaltet sich schwierig“, meint Anja Gottschalk vom Witzenhäuser Autohaus Gottschalk. Sie wählten ihre Auszubildenden unter Schulpraktikanten aus. So hätten sie im vergangenen Jahr ihre beiden Lehrlinge gefunden. Einer lerne in der Werkstatt Kfz-Mechatroniker, der andere im Service Automobil-Kaufmann. „Aufgrund der Corona-Pandemie sind in diesem Jahr Schulpraktika ausgesetzt worden“, bedauert Michael Schäfer von der Witzenhäuser Rübezahl-Apotheke.

Er und seine Frau, Claudia Schäfer, könnten daher nicht für die beiden von ihnen angebotenen Ausbildungsberufe werben. Alle drei Jahre würden sie eine pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte ausbilden. Hinzu kämen Plätze für pharmazeutisch-technische Assistenten. Diese absolvierten zunächst eine zweijährige schulische Ausbildung. Es schließe sich eine halbjährige Ausbildung in einer Apotheke an. Aufgrund von Schwangerschaften oder Umzügen würden immer wieder Stellen in ihrem Unternehmen frei.VON MICHAEL CASPAR

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