Bei Unternehmen im Werra-Meißner-Kreis wird längst über Mindestlohn gezahlt

Gutes Gehalt zur Motivation

Niedriglohnbranche: Die Gastronomie steht neben einigen anderen Branchen in dem Ruf, niedrige Stundenlöhne zu zahlen. Das ist nicht immer der Fall. Foto: Archiv

Eschwege. Die Mitarbeiter sollen mit Freude und Spaß zur Arbeit kommen, wünscht sich Gerold Schwarz, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes und Geschäftsführer von Schloss Wolfsbrunnen. Zur Motivation der Beschäftigten müsse ein ordentliches Gehalt gezahlt werden. Der Hoteldirektor begrüßt die Einführung eines Mindestlohnes, sieht die beschlossenen 8,50 Euro pro Stunde allerdings als zu gering an.

„Zehn bis zwölf Euro als Untergrenze wären angemessen“, sagt er und macht deutlich, dass Niedriglöhne ein Aufstocken auf Kosten der Allgemeinheit zur Folge haben. Schwarz: „Unternehmen bürgen dem Steuerzahler die Finanzierung ihres Profits auf.“ Auch wenn Schwarz weiß, dass höhere Preis die Folge wären, würde er das akzeptieren, auch schon wegen der Wettbewerbsgleichheit.

Auch wenn der Mindestlohn gesetzlich verankert ist, kann sich Beate Hesse-Drescher vorstellen, dass „es schwarze Schafe gibt, die das umgehen“, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Auf ihr Unternehmen, den Eschweger Gebäudereiniger Hesse, habe der Mindestlohn von 8,50 Euro keinen Einfluss, weil längst ein Tarif gezahlt werde, der darüber liege. Das sieht auch Werner Fissmann so. Der Obermeister der Friseurinnung weist auf den für alle Unternehmen der Branche bindenden Tarif hin, der jetzt bei 7,50 Euro liegt und von Mitte 2014 an auf 8,50 Euro steigt. Um bis zu 18 Prozent höhere Preise, habe das zur Folge. „Grundsätzlich“, so Dr. Michael Ludwig von der Industrie- und Handelskammer, „sind Gehaltsvereinbarungen Aufgabe der Tarifpartner.“

Stephan Schenker, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, sieht das Handwerk als Vorreiter in Sachen Mindestlohn, der bereits in vielen Branchen gelte: Bauen, Elektro und Friseure.

Über dem angestrebten Mindestlohn und das seit langem liegen die Gehälter beim Eschweger Sicherheitsunternehmen (ESU). „Es ist wichtig für den Wettbewerb, dass sich auch die anderen Unternehmen aus unserer Branche dem stellen“, sagt Astrid Buss Hasecke. Grundsätzlich richtig für seine Branche findet Mario Eißing, Heimleiter im Pflegezentrum Wolf in Eschwege, den Mindestlohn. Schade findet er aber, dass das dabei der Gedanke von leistungsbezogener Bezahlung verloren gehe.

Von Harald Sagawe

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