Gewalt gegen Frauen

Häusliche Gewalt: Frauen haben erst nach dem Lockdown Hilfe gesucht

Häusliche Gewalt findet meist hinter geschlossen Türen statt, darauf aufmerksam machen soll der weltweite Aktionstag am heutigen 25. November.
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Häusliche Gewalt findet meist hinter geschlossen Türen statt, darauf aufmerksam machen soll der weltweite Aktionstag am 25. November.

Gewalt an Frauen ist keine Seltenheit – auch nicht im Werra-Meißner-Kreis und besonders nicht während der Coronakrise. Hilfe haben sich die Frauen aber erst nach dem Lockdown geholt.

Werra-Meißner - Das wissen die Mitarbeiterinnen des Vereins „Frauen für Frauen – Frauen für Kinder im Werra-Meißner-Kreis“. Trotzdem verzeichneten die Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstelle weniger Hilfesuchende während des ersten Lockdowns im Frühjahr und des jetzigen Teil-Lockdowns.

Hilferufe erst, wenn der Täter aus dem Haus ist

Diplom-Sozialarbeiterin und -pädagogin Amy Wiedermann-Claar berichtet aber, dass nach ersten Lockerungen dafür umso mehr Frauen die Beratungsstelle aufsuchten, fast so, als hätten sie den Lockdown abgewartet. „Oft nutzen Frauen die Zeit, wenn der Täter aus dem Haus ist, um sich bei uns zu melden“, erklärt Wiedermann-Claar. Wenn der Partner aber in Kurzarbeit oder im Homeoffice ist, könnten die Frauen sich der Situation kaum entziehen.

30 Jahre Verein „Frauen für Frauen – Frauen für Kinder im Werra-Meißner-Kreis“

Der Verein „Frauen für Frauen – Frauen für Kinder im Werra-Meißner-Kreis“ feiert am heutigen Freitag, 27. November, sein 30-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass gibt es eine Plakat- und Postkartenaktion sowie eine Weihnachtsaktion unter dem Motto „Eine sichere Weihnacht für alle“. Eigentlich waren zu diesem Anlass über das Jahr verteilt mehrere Veranstaltungen geplant, die aber abgesagt werden mussten. Wie die Frauenberatung des Vereins außerdem mitteilt, schätzen sie besonders die enge Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragen des Kreises, Thekla Rotermund-Capar. (jes)

Die Frauenberatung gibt an, dass in diesem Jahr bisher 116 Frauen und ein Mann Hilfe bei der Beratung gesucht haben. 107 der von Gewalt Betroffenen kommen aus dem Werra-Meißner-Kreis. 2019 hatten zum Jahresende 137 Frauen und vier Männer Hilfe bei der Frauenberatung gesucht.

Amy Wiedermann-Claar

Frauen wurden schwer misshandelt oder waren suizidgefährdet

Auch beim Eschweger Frauenhaus sei es während der Lockdowns etwas ruhiger geworden, berichten die Mitarbeiterinnen – jedenfalls was die Zahl der Anfragen anging. Dafür steckten aber auffallend viele schutzsuchende Frauen in Extremsituationen, wurden schwer misshandelt oder waren suizidgefährdet, wie Manuela Kleinwächter vom Frauenhaus berichtet. Nicht einfacher werde die Situation dadurch, dass das Frauenhaus wegen der Hygienevorschriften nur halb belegt werden dürfe. „Wir mussten in diesem Jahr 15 Frauen und fünf Kinder abweisen“, berichtet Sabine Theile vom Verein. Die Mitarbeiterinnen hätten versucht, alternative Unterbringungsmöglichkeiten zu finden. Bis einschließlich Oktober hätte es 1771 Übernachtungen gegeben, darunter auch 833 Übernachtungen von Kindern. 2019 lag die Auslastung des Frauenhauses im Schnitt bei 72 Prozent, 2018 sogar bei mehr als 90 Prozent.

Mehr Gewalt gegen Frauen während der Quarantäne

Laut einer bundesweiten Befragung der Technischen Universität München und des Leibniz-Instituts, auf die die Kreisverwaltung aufmerksam gemacht hat, erlebten 3,1 Prozent der Frauen körperliche Gewalt im ersten Lockdown. 3,6 Prozent gaben an, von ihrem Partner vergewaltigt worden zu sein. Höher sei die Zahl der Betroffenen, wenn sie sich in Quarantäne befanden, die Familie unter finanziellen Sorgen litt und der Partner in Kurzarbeit war oder den Job verloren hatte. (Jessica Sippel)

Hilfe

Wer unter häuslicher Gewalt leidet – auch wenn Kinder betroffen sind – kann sich an den Verein wenden: Tel.: 0 56 51/ 7843; Mail: info@frauen-fuer-frauen-im-wmk.de

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