Als Kaufmann zu schlecht

Handwerker zahlt Rechnungen über 10.000 Euro nicht

Eschwege. Weil er einen Eschweger Sanitär-Großhändler in 16 Fällen um insgesamt rund 10.000 Euro geprellt hat, wurde ein selbstständiger Handwerker aus Thüringen zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten verurteilt. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt.

Außerdem muss der Angeklagte 1500 Euro an die Hephata Diakonie zahlen. Der Angeklagte war zuvor voll geständig. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann bei dem Eschweger Großhändler einkaufte, obwohl er wusste, dass er die Rechnungen nicht begleichen würde können. Gleichfalls räumte Richter Dr. Alexander Wachter ein, dass es der Händler dem Angeklagten auch zu einfach gemacht habe.

Die 16 Straftaten ereigneten sich zwischen März und Mai 2016. Der Mann war schon länger Kunde in dem Sanitär-Fachbedarf und zahlte seine eingekaufte Ware bis dahin immer bar. Um die Abrechnung zu vereinfachen, bot der Händler seinem Kunden ein eigenes Konto mit einem Kredit von 2500 Euro an. Nach eigenen Angaben willigte der Angeklagte ein, „um es denen einfacher zu machen“. Wohlgefühlt habe er sich mit dem Kundenkonto nicht. 

Zunächst kaufte er weiter Materialbedarf wie bisher ein. Rechnungen von 100 oder 200 Euro ließ er über das Kundenkonto laufen. Ab Mitte April kamen dann größere Posten dazu, unter anderem ein Sanitärgerät für über 3000 Euro. „Und hier begann der gewerbsmäßige Betrug“, klagte die Staatsanwältin an. Denn nach einigen Pfändungen in der Vergangenheit und einem Konto, das immer nur „gerade so gedeckt war“, habe der Angeklagte nicht davon ausgehen können, dass er die offenen Rechnungen zurückzahlen könne.

Der Händler habe es dem Handwerker aber auch leicht gemacht, sagte sein Verteidiger Dr. Andreas Vogt. Die Buchhaltung erhöhte seinen Kreditrahmen erst auf 5000 Euro, später auf 10.000 Euro. „Er hat uns immer im Glauben gelassen, bald eine Zahlung zu erhalten“, sagte der Filialleiter, der als einziger Zeuge geladen war.

Er sei sicher ein guter Handwerker, aber bestimmt auch ein schlechter Kaufmann, attestierte der Richter dem Angeklagten während der Verhandlung. Das räumte der Mann ein, der seine Selbstständigkeit durch eine Insolvenz aufgeben musste und jetzt „nie wieder selbstständig sein möchte“.

Strafmildernd wirkten sich das Geständnis und seine gute Sozialprognose aus. Nach seiner Unternehmerzeit arbeitet der Angeklagte jetzt wieder angestellt. Selbstständig gemacht hatte er sich hauptsächlich deswegen, weil er sich um seine kranke Frau kümmern wollte. Das sei voll in die Hose gegangen, bekannte der Installateur selbst und der Richter bescheinigte ihm dafür eine gewisse Blauäugigkeit.

Um den Gerichtssaal nicht ohne spürbare Strafe zu verlassen, muss der Angeklagte die nächsten 15 Monate jeweils 100 Euro an die Hephata ableisten. 

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