Polizei und ADAC warnen vor dem unterschätzten Blindflug

Handy am Steuer erhöht das Unfallrisiko

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Werra-Meissner. Nach Schätzungen des ADAC spielt bei jedem zehnten Unfall Unachtsamkeit eine Rolle. Die Häufigkeit von Unfällen zum Beispiel durch Handynutzzung ist vergleichbar mit der durch Alkoholkonsum, sagt Cornelius Blanke, Pressesprecher vom ADAC Hessen-Thüringen.

Zwar gibt es im Werra-Meißner-Kreis keine Statistik, die Auskunft darüber gibt, wie oft das Handy Unfallursache war. Unfälle durch Ablenkung am Steuer werden als „sonstige Ursache“ bezeichnet und nur im internen Polizeibericht genauer markiert. Polizeisprecher Jörg Künstler vermutet allerdings, dass die Handynutzung im Straßenverkehr eher zu- als abnimmt. „Jeder weiß, dass im Auto telefoniert wird“, sagt er. Dabei sei das Telefonieren von Autofahrern noch das geringere Übel: Immer häufiger würden beispielsweise Nachrichtendienste wie Whatsapp genutzt. Ausschlaggebend sei nicht die Art der Ablenkung, sondern die Intensität.

Und auch das Argument vieler Autofahrer, wer langsamer fährt, entgeht trotz Ablenkung einem Unfall, ist ein Trugschluss. Zwar kann die Geschwindigkeit einen Einfluss auf die Unfallfolgen haben. Doch auch wer langsam fährt, riskiert einen gefährlich endenden Blindflug. „Wer mit 100 Km/h fährt und nur eine Sekunde abgelenkt ist, der legt in dieser Zeit 27 Meter zurück“, erklärt ADAC-Sprecher Cornelius Blanke.

Ein Grund für die unterschätzte Gefahr sei das Sicherheitsgefühl, das sich bei vielen Autofahrern durch Routine einstelle. Autofahren werde zur Nebensache. Das sieht man oft am Fahrstil: „Abgelenkte Autofahrer fahren oft zeitverzögert und machen schlenkerhafte Bewegungen“, sagt Blanke. Wer das Handyverbot am Steuer missachtet, riskiert einen Punkt in Flensburg und eine Geldstrafe. Auch dann, wenn man nur dabei erwischt wird, wie man das Handy anfasst. ZUM TAGE

Hintergrund, SEITE 2

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