Geräte im Wert von 17.500 Euro unterschlagen

Handys unterschlagen: Betrüger-Duo zu Freiheitsstrafen verurteilt

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Werra-Meißner. Wegen Betrugs und Verletzung des Postgeheimnisses sind zwei Männer aus dem Werra-Meißner-Kreis am Dienstag vor dem Eschweger Amtsgericht zu empfindlichen Strafen verurteilt worden.

Ein 37-jähriger, ehemaliger Mobilfunkladen-Besitzer muss für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Ein 30-jähriger Mann aus dem Kreisgebiet wurde zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

Richter Dr. Alexander Wachter sah es als erwiesen an, dass das Duo im Juli des Jahres 2013 Smartphones im Gesamtwert von 17 500 Euro unterschlagen hatte. Die Initiative, so wurde im Verlauf des Prozesses deutlich, ging dabei von dem 37-Jährigen aus. Er hatte die Elektrogeräte zunächst im Internet bestellt und den mitangeklagten, 30-jährigen Paketzusteller dazu angehalten, die entsprechenden Sendungen abzufangen. Diese habe er dann ungescannt und damit unregistriert im Laden des 37-Jährigen abgeliefert, wo sie offenbar weiterverkauft werden sollten.

Vor Gericht gab der 37-Jährige auch an, ein Paket mit fünf Handys in einer Packstation eingelegt zu haben – beim Empfänger kamen die jedoch nie an. „Wir haben diesen Angaben keinen Glauben geschenkt“, sagte Wachter in seiner Urteilsbegründung. Zuvor hatte Verteidiger Bernd Schubert noch einen Freispruch gefordert. Er will nun in Berufung gehen.

"Gedacht? Habe ich mir nichts."

Ihre Betrügereien haben sie als Duo infernale in die Tat umgesetzt, doch im Eschweger Gerichtssaal war von trauter Eintracht wenig zu spüren: Während der 37-jährige, einstige Mobilfunkladen-Besitzer beharrlich zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen schwieg, war der mitangeklagte, ehemalige Paketzusteller deutlich mitteilsamer – und belastete seinen Bekannten damit schwer.

Ihre erste Begegnung im Juli 2013 beschrieb der 30-Jährige noch als „normalen Kundenkontakt“ – in seiner Funktion als Zusteller habe er den Mobilfunkladen schließlich häufiger beliefert. Bald habe ihn der 37-Jährige angesprochen und detailliert seinen Plan dargelegt: So wolle er eine Bestellung über zehn wertvolle Smartphones im Gesamtwert von zunächst 10.000 Euro aufgeben. „Dieses Päckchen sollte ich als Zusteller abfangen“, sagte der 30-Jährige, „und auf den üblichen Vorgang des Einscannens verzichten.“ Die unregistrierten Sendungen sollte er dem Ladenbesitzer aushändigen. Der Adressat samt Anschrift sei fingiert gewesen.

Gedacht, so der 30-Jährige mit einem laut eigenen Angaben soliden finanziellen Hintergrund, habe er sich „nichts“, als er auf das Angebot einging. Als die Umsetzung klappte wie erwünscht, habe er 650 Euro von dem 37-Jährigen erhalten – „obwohl wir vorher nicht über die Bezahlung gesprochen hatten.“

In der folgenden Woche verfuhren die beiden noch einmal genauso – mit Erfolg und erneuten 650 Euro, die als Belohnung flossen. Beim dritten Versuch, wie Rechsanwalt Bernd Schubert dem nun zögerlichen 30-Jährigen entlockte, habe der Paketzusteller die Bestellung sogar selbst aufgegeben. „Wieder lieferte ich das Päckchen einige Zeit später unregistriert ab. Es ging anschließend ohne Smartphones, aber gefüllt mit Elektroschrott, an den Absender zurück.“

Als sein Wochenvertrag als Paketzusteller im September 2013 nicht verlängert wurde, sei vorerst auch der Kontakt zu dem 37-jährigen Geschäftsmann abgebrochen. Erst im November habe dieser sich wieder bei ihm gemeldet – mit der Bitte, doch seine Kontakte spielen zu lassen und einen potentiellen Zusteller ausfindig zu machen, der sich auf die Betrügereien einlasse. Per Facebook meldete sich der 30-Jährige daraufhin bei einem ehemaligen Kollegen aus Kassel. „Ich war schlichtweg entsetzt von der Offerte“, sagte der Mann, der als Zeuge vor Gericht geladen war. Gleich am nächsten Tag sei er dann zu seinem Vorgesetzten gegangen und habe den Vorfall gemeldet. „Zum Schein habe ich mich auf das Angebot eingelassen, um die beiden zu überführen“, sagt der 37-Jährige, der noch immer als Zusteller arbeitet. Die Falle schnappte zu.

Von Emily Spanel

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