Harte Jungs mit weichen Bärchen

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Vor dem Auftritt gibt’s Gummibärchen für die Fans in der ersten Reihe. „Von Beginn an eine freundschaftliche Atmosphäre schaffen“, nennt Olli Kleen das. Der 41-Jährige ist der Boss im Sicherheitsgraben vor den großen Bühnen auf dem Open-Flair-Festival.

Die Hardcorefans kennen und lieben den 1,89 Meter großen und 117 Kilogramm schweren Hünen mit dem Schlapphut. Olli ist immer für einen Spaß zu haben, hat stets einen freundlichen Blick drauf. Bei aller Leichtigkeit steht für den Chef der bis zu dreißigköpfigen Rocking Crew die Sicherheit über allem. „Wir hatten noch nie ernsthaft Verletzte“, ist er stolz auf seine persönliche Bilanz.

                                                        

Es ist eine ständige Gratwanderung zwischen Spaß und der Ernsthaftigkeit des Jobs. Wenn 20 000 Menschen vor der Bühne stehen und von der Musik ihrer Idole angeheizt sind, nach vorn drängen, schieben und drücken, kann schnell etwas passieren. Olli Kleen und seine Rocking Crew sind als Teil von Heavy-Secure engagiert, genau das zu verhindern.

Die Männer zwischen Bühne und Fans leisten Schwerstarbeit. Immer wieder müssen Crowdsurfer aus dem Publikum gezogen werden. Teamarbeit ist dabei gefragt. „Das ist Hochleistungssport“, sagt Olli Kleen, der seine Arbeit als Teil der Show versteht. „Wir sind anders, wir sind für die Gäste da und nicht dagegen. Soetwas wie uns gibt es in Europa nur einmal.“

Das beginnt mit dem Gummibärchen vor der Show und setzt sich mit der Surfsau im Publikum fort. Wenn das aufblasbare Gummitier unterwegs ist, dürfen die Crowdsurfer loslegen. Die Zeichensprache wird vom Publikum verstanden und akzeptiert. Respekt durch Freundlichkeit, heißt das Rezept. Dabei ist das Publikum beim Open Flair in Eschwege nach den Erfahrungen des Security-Mannes, der auch beim Hurricane, Deichbrand und anderen großen Festivals am Start ist, ein pflegeleichtes. Wichtiges Accessoire ist der Feuerwehrschlauch, der stets griffbereit ist. Wenn den Musikbegeisterten zu warm wird, sorgt der kalte Strahl für Abkühlung.

Ist gerade einmal nichts zu tun, tanzen die Sicherheitsleute im Takt der Musik, machen Späßchen mit dem Publikum. „Ich will in meinem Team nur Leute, die den Rhythmus im Popo haben“, nennt Olli Kleen eine wichtige Voraussetzung für den Job in der Rocking Crew. „Wir sind Teil der Show und manchmal auch mehr“, sagt er. Wenn die muskelbepackten Männer im Sicherheitsgraben so richtig loslegen und das Geschehen zwei Meter höher auf der Bühne plötzlich zur Nebensache gerät, kommt das nicht bei allen Künstlern an.

Olli vom Security-Personal achtet auf den Bühnengraben

Der Vater von vierjährigen Zwillingstöchtern erinnert sich an einen Auftritt Jan Delays: Der Sänger habe seine Show unterbrochen und den Manager in den Sicherheitsgraben geschickt, weil er sich nicht mehr der ungeteilten Aufmerksamkeit des Publikums sicher war. Olli Kleen und sein Team mussten einen Gang zurückschalten.

Von Harald Sagawe

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