Und dann war Felipe dran

Herbert Stehl aus Eschwege funkte mit dem spanischen König

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Richtige Wellenlänge: Herbert Stahl mit seiner Funkanlage in seinem Haus an der Mittelgasse

Eschwege. Die große weite Welt erreicht DF2FE aus einem kleinen Raum im Obergeschoss seines Hauses an der Mittelgasse. Dort steht allerhand technisches Gerät, aus dem ein ständiges Rauschen und Piepen ertönt. Dazwischen mischen sich Stimmen in fremden Sprachen. Nicht ungewöhnlich im Haus von DF2FE, der eigentlich Herbert Stehl heißt.

Ein quer durch den Garten gespannter Draht, ein paar kleine Antennen auf dem Dach – das reicht Stehl, der heute seinen 74. Geburtstag feiert, um andere Amateurfunker in ganz Europa zu erreichen. DF2FE ist sein Rufzeichen als Funker. Jedes Rufzeichen ist ähnlich einer Telefonnummer nur einmal vergeben, es dient der Identifizierung. Wenn Herbert Stehl nach Kontakten sucht, gibt er sich damit zu erkennen. Wen er über Funk erreicht, ist häufig ein großer Glücksfall.

 Als besonderer Glücksfall erwies sich ein Funkkontakt Ende Juli, als Stehl im Rauschen seines Verstärkers die Kennung EF6 hörte. „Da habe ich gestutzt, denn das kam mir irgendwie bekannt vor“, erzählt der gelernte Werkzeugmacher, der später als Nachrichtentechniker unter anderem in der Türkei und im Oman half, die Kurzwelle aufzubauen. Schnell war ihm klar, mit wem er es zu tun hatte: Er sprach mit König Felipe von Spanien. Schwer beeindruckt davon scheint Stehl aber nicht zu sein, denn dass der König gerne funke sei längst bekannt. „Das war schon bei seinem Vater Juan Carlos so“, sagt Stehl. Eine richtige Unterhaltung habe es nicht gegeben, nach dem üblichen Austausch der Daten, war das Gespräch wieder beendet. Zum Funken verabredet

Nicht immer kommt Kontakt jedoch durch Zufall zustande. Mit anderen Mitgliedern des Amateur Radio Clubs Eschwege verabredet er sich regelmäßig zum Funken. „Momentan berichtet uns ein Freund aus dem Urlaub, wie das Wetter so in Spanien ist“, sagt Stehl. Natürlich ist auch sein eigenes Wohnmobil mit einer entsprechenden Ausrüstung versehen.

Mit anderen Verbänden treffen sich die Eschweger sogar zu Wettbewerben, bei denen es darum geht, Kontakt über die größtmögliche Entfernung aufzubauen. Den nächsten Wettbewerb plant die Gruppe für den 3. Oktober anlässlich des 40. Geburtstags des Werra-Meißner-Kreises.

Ist ein Funkkontakt geglückt, verschicken beide Gesprächspartner sogenannte QSL-Karten. Dort werden sich Kennung, Datum und Frequenz gegenseitig bestätigt. Nach fast 50 Jahren als Amateurfunker, die entsprechende Lizenz hält Stehl seit 1966, sammelt der Rentner aber nur noch die Karten mit besonderer Bedeutung.

Von Lasse Deppe

Die Geschichte hinter der Geschichte

Vor einigen Tagen berichtete unserer Partnerzeitung über Dr. Harmen Greve. Der 85-Jährige lebt im Seniorenpflegeheim Mühlenhof in Vellmar. Dem passionierten Amateurfunker haben seine Vereinskollegen vom Amateur Radio Club Vellmar eine UKW- und eine Kurzwellenantennenanlage in sein Zimmer gebaut. Greve hatte im Juni seine Wohnung verlassen müssen. Weil seine Beine nicht mehr richtig wollen, sitzt der pensionierte Lebensmittelchemiker im Rollstuhl. 

Beim Termin der Kollegen vor Ort führte Greve seine Anlage vor und baute Funkkontakt zu seinem „alten Funkerfreund Herbert aus Eschwege auf“. Vorname, Funkerkennung und Wohnort verhalfen bei der Internetrecherche zu einer Telefonnummer unter der sich eine Frau meldete. Als unser Redakteur sich mit den Worten „Guten Tag, ich suchen einen Amateurfunker namens Herbert“ meldete, war die Verwunderung groß – aber Herbert Stehl gefunden. (lad)

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