Tierschützer und Jäger empört: Wildreflektoren bald nicht mehr genehmigt

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Ein Bild aus vergangenen Tagen: Rüdiger Heckeroth (rechts) von Hessen Mobil montiert im Beisein von Hegegemeinschaftvorsitzendem Heinz-Jürgen Kahlfeldt (links) und DEVK-Chefin Ilona Becker einen Wildwarnreflektor an einem Leitpfosten.

Werra-Meißner. Hessen Mobil unterstützt die Anbringung von Wildwarnreflektoren an Leitpfosten nicht mehr. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu diesem Thema.

Warum haben die Jäger die Kosten für die Warnreflektoren übernommen?

Laut Verkehrsbericht der Polizei entstand im Jahr 2016 durch Wildunfälle ein Sachschaden im Kreis in Höhe von 972 000 Euro. Dazu gab es Verletzte und tote Tiere. „Wir sind es dem Wild und den Verkehrsteilnehmern schuldig, alles zu tun, um weitere Verkehrsunfälle zu verhindern“, sagt Rainer Stelzner vom Jagdverein Hubertus Eschwege. Die Reflektoren seien ein Faktor.

Worauf stützt sich das Verbot von Hessen Mobil?

Von der „Bundesanstalt für Straßenwesen“ (BaSt) wurden zwei wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirkungsweise von Wildwarnreflektoren – von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg und der Technischen Universität Dresden – erstellt. Die BaSt steht danach der generellen Verwendung von Wildwarnreflektoren skeptisch gegenüber. „Nach unserer Erfahrung gewöhnt sich das Wild mit der Zeit an Warneinrichtungen jeglicher Art, sodass sich nach kurzer Zeit wieder das alte Unfallgeschehen einstellt“, heißt es auf der Homepage. Und weiter: „Andererseits sprechen wir uns aber auch nicht gegen den Einsatz von Wildwarnreflektoren aus, da sie in Einzelfällen durchaus einen Beitrag zur Verringerung von Wildunfällen liefern..“

Wie argumentieren die Tierschützer?

Die Tierschützer und Jäger Hessens sind empört. „Die Untersuchungen, auf die sich Hessen Mobil stützt, machen lediglich einen kleinen Teil der in letzter Zeit durchgeführten Studien aus“, sagt die hessische Tierschützerin Barbara Bausch. Studien von der Universität für Bodenkultur, Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft in Wien und vom Institut für Wildbiologie Göttingen und Dresden seien nicht berücksichtigt worden. „Sie lieferten kontinuierlich ein nahezu identisches Ergebnis: Unfallrückgänge auf den Strecken mit Wildwarnreflektoren von bis zu über 80 Prozent“, sagt Bausch.

Was besagt die Statistik im Werra-Meißner-Kreis?

Die Polizeidirektion hat Zahlen seit 2011 zur Verfügung gestellt. In den vergangenen sieben Jahren schwankt die Zahl der Wildunfälle, in den letzten drei Jahren nahm sie kontinuierlich zu. In den vergangenen Jahren stieg auch die Gesamtzahl der Unfälle. Im Jahr 2014 gab es noch 534 Wildunfälle, 2015 bereits 586 und im Jahr 2016 dann 627. Auch in diesem Jahr scheint sich der Trend fortzusetzen. Während es im Vorjahr bis August zu 418 Zusammenstößen mit Wild kam, waren es 2017 bereits 443.

Wie geht es jetzt weiter mit den Wildwarnreflektoren?

Bereits angebrachte, genehmigte Reflektoren dürfen jedoch montiert bleiben, allerdings nicht mehr ersetzt werden. Widerrechtliches Handeln kann als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr geahndet werden.

Ob Hessen Mobil künftig eine Anbringung durch beziehungsweise auf Kosten der Jagdpächter im Einzelfall zulassen kann und soll, wird derzeit intern geprüft. 

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