Landesstelle für Suchtfragen veranstaltet Informationstag zur Glücksspielsucht

Hessen verdaddeln 280 Mio.

Nicht füttern: Eva Bohr Jennifer Thomas und Tabea Bosch (v.r.), mit Pfarrer Markus Keller, klärten über Spielsucht auf. Foto: Skupio

Eschwege. „Bitte nicht füttern“ – unter diesem Motto stand der gestrige Aktionstag der hessischen Landesstelle für Suchtfragen, bei dem in 17 hessischen Städten über die Gefahr von Glücksspielsucht aufgeklärt wurde.

„Knapp 280 Millionen Euro werden in ganz Hessen pro Jahr an Geldspielautomaten verspielt, allein in Eschwege waren es vergangenes Jahr über 3,6 Millionen“, sagt Eva Bohr. Die Diplom-Pädagogin ist Fachberaterin für Glücksspielsucht des Kreises in der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention.

Gemeinsam mit zwei Mitarbeiterinnen hat sie am Obermarkt einen Geldspielautomaten aufgestellt, umzäunt durch ein Gehege mit dem Hinweis „Bitte nicht füttern“.

Auf einem Schild daneben stehen – wie im Zoo – Lebensraum, Ernährung und Besonderheiten des Geldspielgerätes: Es lebt meist in geschlossenen Räumen und verschlingt neben Lohn und Gehalt auch Freunde, Gesundheit und Beziehungen.

„Die Grenzen vom Freizeitvergnügen bis zur Sucht sind fließend, Automaten in Spielhallen und Gaststätten sind außerdem die Glücksspielart mit dem höchsten Suchtpotential“, warnt Bohr.

44 Prozent der Spieler, die den Weg zu ihr in die Suchtberatung kommen, sind zudem unter 30 Jahre alt. Im ganzen Kreis sind etwa 250 Fälle mit dem Befund „glücksspielsüchtig“ bekannt. Bohr möchte mit dem Stand aber vor allem aufklären und ermutigen. „Die Glücksspielsucht ist eine Krankheit, keine persönliche oder moralische Verfehlung. Deswegen ist es wichtig, mit dem Thema offen umzugehen“, sagt die 58-Jährige.

Denn nur, wenn Betroffene den Weg zur Beratung finden, kann professionelle Hilfe den Ausweg aus der Sucht zeigen.

Von Wolfram Skupio

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