Über Termine, Teamgeist und den Titelgewinn

Interview mit Fußball-Weltmeister Shkodran Mustafi: „Ab heute ist mein Handy aus“

Bebra. Vor dem Empfang in seiner Heimatstadt Bebra hat Weltmeister Shkodran Mustafi in einer halbstündigen Pressekonferenz geduldig Rede und Antwort gestanden.

Herr Mustafi, Sie sind seit Dienstagabend zuhause in Bebra. Aber sind Sie tatsächlich schon wieder in der Realität angekommen? 

Shkodran Mustafi: Nein, das wird auch noch ein bisschen dauern. Ich bin ja in Bebra bislang auch noch nicht zur Ruhe gekommen. Aber heute ist mein letzter Termin. Danach ist mein Handy erstmal aus.

Was war schwerer zu begreifen: die Nachnominierung oder der Titelgewinn? 

Mustafi: Es war ein Weg voller Höhen und Tiefen für mich. Die ersten Länderspiele, das Trainingslager, dann die Nachnominierung, die ersten Einsätze, dann die Verletzung. Und am Ende steht plötzlich der Titelgewinn. Es hat also gut aufgehört.

Wie haben Sie eigentlich die letzten Minuten des Endspiels erlebt?

Mustafi: Das weiß ich gar nicht mehr so richtig. Auf jeden Fall haben wir auf der Bank alle nicht mehr gesessen – nach dem Schlusspfiff gab es dann kein Halten mehr.

Man hat Sie schon im Stadion und später auf der Fanmeile ordentlich feiern sehen. Sind Sie ein Feierbiest?

Mustafi: Naja, ich hab schon ziemlich schnell verstanden, dass man nicht so oft Weltmeister wird. Ich hatte halt Bock zu feiern und zu tanzen und das habe ich gemacht.

Den Begriff „Gaucho Dance“ können Sie sicher nicht mehr hören. Verraten Sie uns dennoch, wer die Idee hatte? 

Mustafi: Ich habe mir eigentlich vorgenommen, zu diesem Thema nichts mehr zu sagen. Nur soviel: Wir wollten feiern und niemanden angreifen oder lächerlich machen. Belassen wir es doch dabei.

Wie fällt Ihre persönliche WM-Bilanz aus? Es gab ja nach dem Algerien-Spiel herbe Kritik auch an Ihnen... 

Mustafi: Ach wissen Sie, Kritik gibt’s im Fußball immer. Ich spiele für die Mannschaft und mache das, was der Trainer von mir erwartet und nicht, was die Medien vielleicht sehen wollen. Ich bin Weltmeister geworden, hatte drei Einsätze, und das zählt am Ende für mich.

Die Mannschaft hat immer wieder den Teamgeist beschworen. War das das große Plus, das den Unterschied ausgemacht hat? 

Hier ein Autogramm, da ein Foto, da ein Smalltalk: Shkodran Mustafi hatte am Freitagnachmittag beim Empfang in seiner Heimatstadt Bebra alle Hände voll zu tun. Alle

Mustafi: Neben der hohen Qualität der Spieler auf jeden Fall. Ich habe schon beim Vorbereitungsspiel gegen Chile gemerkt, dass dieses Team etwas ganz Besonders ist. Der Trainer hat jedem Spieler viel Vertrauen geschenkt. Jeder hatte seine Rolle, in der er alles gegeben hat. Wir waren total auf diesen Titel fokussiert.

Heute ist Mannschaftskapitän Philipp Lahm zurückgetreten. Hat Sie das auch überrascht? 

Mustafi: Ja, absolut. Er ist sowas von fit, ich denke, er könnte noch 20 Jahre auf höchstem Niveau spielen. Philipp ist ein großer Spieler und ein super Kapitän. Er macht jetzt auf dem Höhepunkt Schluss. Das kann ich nachvollziehen.

Wie sehen Sie Ihre Perspektiven im Nationalteam? 

Mustafi: Wir alle waren während der WM nur auf den Titel fixiert. Über Perspektiven habe auch ich noch nicht nachgedacht. Ich weiß aber, dass ich mich jetzt nicht zufriedengeben darf. Man fällt leichter nach unten, als dass man nach oben kommt.

Wann und vor allem wo geht es für Sie weiter? In Genua – oder vielleicht doch in der Bundesliga? 

Mustafi: Ich hab den Kopf noch nicht frei. Aber der nächste Schritt muss sitzen – das ist klar. Ich muss am 2. August wieder in Genua sein. Vorher steht aber noch eine Untersuchung bei Dr.Müller-Wohlfahrt in München an, der entscheiden muss, wann ich mit dem Aufbautraining beginnen darf.

Rubriklistenbild: © Fotos: Eyert

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