Sozialdienst im Eschweger Krankenhaus

Die Hilfe nach der Klinik

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Was braucht der nächste Patient? Kerstin Hupfeld und Jutta Thiele vom Sozialdienst arbeiten eng zusammen und sprechen sich regelmäßig ab.

Eschwege. Pflegestufe, Heimplatz, Haushaltshilfe, Betreuungsverfügung, Rehaantrag - der bürokratische Antragsdschungel kennt keine Grenzen. Rettung in der Not sind zwei Frauen im sechsten Stock des Klinikums Werra-Meißner in Eschwege, Zimmer 625. Vor 23 Jahren hat Kerstin Hupfeld den Sozialdienst ins Leben gerufen.

Seine Aufgabe ist es, den Patienten auch nach der Entlassung noch Hilfe zukommen zu lassen. Seit 18 Jahren ist Jutta Thiele dabei.

Schon bei der Einlieferung werden den beiden jene Patienten gemeldet, die wahrscheinlich Hilfe brauchen. „Wenn zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter stationär aufgenommen wird, haben wir auch schon mal eine Betreuung für die Kinder zu Hause organisiert“, erzählt Hupfeld. Ein anderer Patient braucht nach der Entlassung ein behindertengerechtes Wohnumfeld. Auch in diesem Falle können die beiden Diplomsozialpädagogen helfen. Sie nehmen Kontakt auf mit den entsprechenden Stellen.

Das weitaus größte Aufgabenfeld ist aber das Organisieren von Heim- und Rehaplätzen. „Wir stehen immer im Kontakt mit den Krankenkassen und Heimen und wissen, wo Plätze frei sind“, sagt Thiele. Wünsche können sie dabei nicht immer erfüllen: Wenn es schnell gehen muss, bleibe manchmal auch nur ein etwas entfernter gelegener Heimplatz. Auch muss es ein Heim sein, mit dem die Krankenkasse des Patienten einen Vertrag hat. „Wir lassen niemanden gehen, solange die Kosten nicht übernommen sind“, sagt Hupfeld. Im Zweifel müsse der Patient eine Nacht länger im Klinikbett schlafen.

Studiert haben beide Sozialwesen in Kassel. An der Uni schon sind sie Freundinnen geworden. Dass sie auch Pädagogik-Unterricht hatten, hilft ihnen jeden Tag: im Gespräch mit den Patienten und den Angehörigen. Da kommen viele Lebensschicksale zusammen. „Die Patienten, mit denen wir zu tun haben, sind alle in einer Ausnahmesituation“, sagt Hupfeld. Sie haben Schmerzen, ihr Alltag ist unterbrochen, nach der Entlassung vielleicht sogar ihr ganzes Leben verändert. „Kaum einer geht gerne ins Heim“, so Thiele. Oder gestehe sich gerne ein, dass er von nun an Hilfe braucht.

Auch mit Patienten, die tödlich erkrankt sind, müssen Hupfeld und Thiele umgehen können. Für sie suchen die beiden auf Wunsch einen Hospizplatz. In solchen Fällen, sind die beiden froh, eine Freundin gleich in der Nähe zu haben. „Wir besprechen uns untereinander. Die Lebensschicksale Einzelner mit nach Hause zu nehmen brächte nichts“, sagt Hupfeld.

Jeder Tag und jeder Mensch ist anders - das lieben sie an ihrem Beruf, der für den Klinikalltag immer unverzichtbarer geworden ist. „Früher“, erinnert sich Hupfeld, „waren die Patienten wochenlang in der Klinik.“ Heute müssen sie oft ganz schnell eine Lösung parat haben. 2012 haben sie rund 1800 Patienten weitergeholfen.

Von Stefanie Müller

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