Nur der Optimismus zählt

Hubertus Meyer-Burckhardt über Zeit und Lebenseinstellung

Charmanter Plauderer und tiefgründiger Buchautor: Hubertus Meyer-Burckhardt hat in der Aula der Friedrich-Wilhelm-Schule aus seinem Buch „Die ganze Scheiße mit der Zeit“ gelesen. Foto: tobias Stück

Als Schüler, erklärte Buchautor Hubertus Meyer-Burckhardt am Mittwochabend in der mit über 250 Besuchern proppevollen Aula der Friedrich-Wilhelm-Schule (FWS), habe er keine Ahnung gehabt, wie kostbar Lebenszeit eigentlich sei.

Jetzt, mit 64 Jahren und der Diagnose, dass zwei Karzinome in seinem Körper (sehr langsam) wachsen, sehe das anders aus. Trotzdem, und das ist die Botschaft des Abends, dürfe man die Zuversicht nicht verlieren: „Es gibt keine vernünftige Alternative zum Optimismus“, zitiert Meyer-Burckhardt den Philosoph Karl Popper mehrfach.

Hubertus Meyer-Burckhardt ist mit seinem Buch „Diese ganze Scheiße mit der Zeit“ auf Lesereise durch ganz Deutschland. Während er gerne in Großstädten mit Flughafenanschluss lebt, kennt er die Region gut. In Kassel ist er aufgewachsen, hat die Drusel in Wilhelmshöhe als Kind mit einem Dackel gestaut und in Wanfried 1979 seine ersten Erfahrungen mit der Filmbranche gemacht.

Für den Film „Der Willi-Busch-Report“ war er damals Außenrequisiteur. Als er noch kurzfristig ein Fernglas organisieren sollte, hat sich eine Freundschaft zum Förster Wolfgang Heine entsponnen.

Zu Beginn der Lesung entpuppt sich HMB als charmanter und witziger Plauderer, wie man ihn aus der NDR-Talkshow mit Barbara Schöneberger kennt. Eine Anekdote reiht sich an die nächste und seiner kräftigen und zugleich sonoren Stimme könnte man ewig zuhören. Er lässt aber auch nicht unangesprochen, dass es an diesem Abend noch ernst zugehen wird. Denn die Zeit – und insbesondere die Lebenszeit – sei ein durchaus ernstes Thema, auch wenn man ansonsten ein heiterer Geselle sei.

Hubertus Meyer-Burckhardt ist neben der Christuskirche in Kassel aufgewachsen. Die Beobachtung von Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen hätten schon früh seine Sinne für die Lebenszeit geschärft. „Wir selbst setzen uns immer ins Verhältnis zur Zeit“, sagt Meyer Burckhardt. Sie sei ein ordnender Faktor, „etymologisch übrigens mit dem Wort ,teilen’ verbunden.“ Die Zeit sei Freundin, Chefin, Schatten und Zerstörerin gleichermaßen. Ironischerweise sei während er über die Zeit schrieb, gleichzeitig auch Lebenszeit vergangen.

Während er das Buch über die Zeit schrieb, wurde ihm die Krebsdiagnose mitgeteilt. Das war der 13. Oktober 2017. Den Tag kann sich Meyer-Burckhardt deswegen so gut merken, weil es nicht nur der Geburtstag seiner Frau, sonder auch die Beerdigung einer guten Freundin war, die an Krebs gestorben ist.

Und weil es der Tag war, an dem er beschlossen hat, den Kampf gegen die beiden Karzinome, denen er die Namen Kafka und Shaw gegeben hat, aufzunehmen. Zeit sei das Wichtigste im Leben. Schließlich habe noch niemand auf dem Sterbebett gestöhnt: Ach, hätte ich doch mehr gearbeitet.

Das nächste FWS-Forum findet am Mittwoch, 28. Oktober, statt. Dann ist der Comedian und Gymnasiallehrer Herr Schröder zu Gast.

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