Hundetrainer klärt über aggressives Verhalten an der Leine auf

Hält einen Vortrag an der Volkshochschule Eschwege zum Aggressionsverhalten von Hunden an der Leine: Hundetrainer Jörk Knierim. Foto: Heinz

Eschwege. An der Eschweger Volkshochschule fand am Freitagabend ein Vortrag über Leinenaggression statt, bei dem der Hundetrainer Jörk Knierim die Problematik aufzeigte, die Gründe erklärte und die Lösungsoptionen im Dialog skizzierte. Wir haben die wichtigsten Punkte des Vortrags zusammengefasst:

Von Marvin Heinz

Die Problematik

Eigentlich ist der Hund meistens ganz lieb und handzahm, aber an der Leine bellt er sofort los, knurrt und zerrt mit voller Kraft, um sich loszureißen. Dies passiert häufig – auch im Werra-Meißner Kreis – insbesondere bei Hunden, die auf Artgenossen treffen, wenn ein Fußgänger vorbeiläuft oder ein Radfahrer gerade seine Runde dreht. Die Gründe für dieses pöbelhafte Verhalten sind in den meisten Fällen nicht auf das Wesen des Hundes zurückzuführen.

Die Gründe

Angst und Unsicherheit sind als naheliegende Begründungen heranzuziehen. Schlechte Erfahrungen aus einer vergangenen Beißerei sorgen für eine Abwehrhaltung des Hundes, die sich durch Bellen äußert. Haben sich durch dieses Verhalten Erfolge eingestellt und das Gegenüber hält sich fern, dann werden Hunde an diesen Verhaltensmustern weiterhin festhalten. Neben dieser territorialen und sozialen Motivation sorgen unter anderem auch sexuelle Bedürfnisse und futterbedingte Motive für die Abwehrhaltung des Hundes. Für den Hundetrainer Knierim ist aber der Leinenführer der entscheidende Faktor, seiner Auffassung nach haben viele Hundehalter ein falsches Verständnis von der Rollenverteilung zwischen Herrchen und Hund: „Der Hund ist kein Beschützer, sondern nur ein Wegbegleiter. Pressen wir ihn in diese Rolle rein, dann brauchen wir uns nicht über sein Verhalten zu wundern.“ Der Mensch muss durch ein souveränes Auftreten über den Dingen stehen, wodurch auf den Hund die notwendige Sicherheit ausgestrahlt wird.

Die Lösungsoptionen

Wichtig ist, dass der Hundehalter die Verhaltensauffälligkeiten ergründet hat und diesen schon in den heimischen vier Wänden entgegenwirkt: „Mit liebevoller Konsequenz kann ich dem Hund in diversen Alltagssituationen seine Grenzen aufzeigen. Hundeerziehung ist wie ein Baukasten, fängt bei dem richtigen Züchter an und wird fortgesetzt im Welpenalter.“ Eine Möglichkeit, dem Hund das pöbelhafte Verhalten an der Leine abzugewöhnen, ist die Gegenkonditionierung – auf das negative Verhalten soll mit positiven Reizen reagiert werden. Einen positiven Reiz stellt ein Leckerli, das Lieblingsspielzeug oder ein erlernter Trick (etwa Pfötchen) dar, womit der unbeliebte Hund des Nachbarn oder der temporeiche Jogger in den Hintergrund rückt. Eine andere Lösungsvariante sind klar definierte und sauber antrainierte Abbruchsignale, die gezielt durch den Hundehalter eingesetzt werden können: Abbruchsignale können durch viele positive Erlebnisse antrainiert werden. Aber wichtig ist, dass das Training aus vielen kleinen Schritten, der notwendigen Konsequenz, Geduld und Einfühlungsvermögen besteht.“

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