Wahlen beim Kreisparteitag am Wochenende sorgen für Aufruhr in der SPD

„Ich habe nicht verloren“

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Nach der Wahl: Der Umgang mit Margarete Koschel-Naahs, die zur Stellvertreterin von Karina Fissmann gewählt wurde, treibt die Gemüter um.

Eschwege. Viel sagen mochte Margarete Koschel-Naahs gestern nicht über das, was sich am Samstag beim Parteitag des SPD-Unterbezirks Werra-Meißner ereignete. Nur so viel: „Ich habe nicht verloren.“

Sie sei zwar über 50, aber sie fühle sich noch jung und dynamisch genug, um weiter sozialdemokratische Politik zu machen, sagt sie.

Die Witzenhäuser Stadtverordnetenvorsteherin hatte im Vorfeld angekündigt, als Nachfolgerin von Andreas Nickel zu kandidieren. Überraschend für viele tauchte die 26-jährige Karina Fissmann aus dem Ringgau auf, die sich mit knapper Mehrheit durchsetzte - mit der Unterstützung von Landrat Stefan Reuß und Landtagsabgeordnetem Dieter Franz.

An der Basishat Fissmanns Wahl für Unruhe gesorgt. Von Intrigen und einem schäbigen Umgang mit Koschel-Naahs sprachen gestern einige. In Witzenhausen kündigten einzelne Mitglieder sogar an, aus der SPD auszutreten. „Wenn gewinnen alles rechtfertigt, ist das nicht mehr meine Partei“, sagte einer.

Delegierte bemängeln fehlende Informationen

Harte Kritik äußerte Elsbeth Schwalm, Vorsitzende der AG 60 plus in Hessisch Lichtenau, in einem Schreiben: „Für mich stellt sich die Frage: Kann ich so noch weiter mitarbeiten, wenn nur bestimmte ausgeguckte Personen hofiert werden? Mir fehlt das demokratische Verständnis, wenn nicht offen mit den Delegierten umgegangen wird“, so Schwalm. „Unverschämt, wie man mit verdienten Mitgliedern umgeht“, ergänzt er noch.

Er respektiere das Ergebnis der Vorstandswahl, sagte Bad Sooden-Allendorfs früherer Bürgermeister Ronald Gundlach. „Aber das Verfahren ist zu kritisieren.“ Die Allendörfer Delegierten seien bei ihrer Unterstützung für Koschel-Naahs geblieben. Hätten sie im Vorfeld gewusst, dass es eine weitere Bewerberin gibt, hätte diese sich wie Koschel-Naahs im Ortsverband vorstellen können.

Dass die Wahlen beim Parteitag einen Keil in die Kreis-SPD treiben, glaubt Lothar Quanz, Vorsitzender der Kreistagsfraktion, nicht. Dort gebe es „null Differenzen“, sagte er. „Die Kreistagsfraktion ist sowas von geschlossen.“ Sicherlich sei Fissmanns Kandidatur für einige überraschend gewesen, aber für Margarete Koschel-Naahs sei das keine Niederlage.

Vielmehr habe der Parteitag eine lebendige und demokratische Kultur in der SPD gezeigt. Diskussionen um eine mögliche Kandidatur von Karina Fissmann seien in den vergangenen Wochen im Vorstand bekannt gewesen.

Quanz will helfen, dass es im Ortsverband Witzenhausen schnell wieder zu einer „einvernehmlichen Situation“ kommt. Denn dass sich mit Hendrik Elkenhans ebenfalls jemand aus Witzenhausen gegen Koschel-Naahs als Ersatzkandidat für die Landtagswahl beworben hatte, sei „sicherlich nicht hilfreich gewesen“, sagte Ronald Gundlach.

73 von 74 Delegierte hatten Quanz übrigens zum Kandidaten für den Wahlkreis 9 (Eschwege-Witzenhausen) gewählt. So ein deutliches Ergebnis hatte er bei vorangegangenen Nominierungen nicht bekommen, was an diesem turbulenten Wochenende aber schon fast zur Nebensache wurde.

Von Claas Michaelis

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