„Ich werde gebraucht“

Eva-Maria Brüßler hat durch ein Seminar einen neuen Job gefunden

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Freut sich: Eva-Maria Brüßler hat einen neuen Job bei der Bäckerei Bechthold-Stange. Sie hat ihn durch ihre Teilnahme am Seminar „Frauen zurück in den Beruf“ bekommen. Foto: Nieswandt

Eschwege. Sie lacht und sieht vollkommen entspannt aus. Eva-Maria Brüßler aus Renda ist die Freude über ihre neue Stelle als Fachverkäuferin in der Bäckerei Bechthold-Stange deutlich anzusehen. Doch ihr Weg zu einem neuen Job war sehr anstrengend.

„Ich war 19 Jahre lang auf der Suche nach etwas, das zu mir passt“, sagt Brüßler. Damit sie nicht alleine dasteht und Hilfe bei der Suche bekommt, hat sie an der Seminarreihe „Frauen zurück in den Beruf“ teilgenommen.

Das Seminar veranstaltet das Gleichstellungsbüro des Werra-Meißner-Kreises in Kooperation mit der Agentur für Arbeit in Kassel, dem Jobcenter Werra-Meißner und der Volkshochschule Eschwege. Eva-Maria Brüßler hat im Jahr 1985 begonnen, eine Ausbildung zur Industriekauffrau zu machen. Nach Ende der zwei Jahre wurde sie nicht übernommen. „Danach folgten nur noch Jobs, an die ich über Bekannte gekommen bin“, sagt Brüßler. Allerdings seien die Jobs immer nur für ein Jahr oder halbtags gewesen. In dieser Zeit, in der ihre Arbeitsstellen häufig wechselten, wurde sie schwanger und bekam den ersten ihrer heutigen drei Söhne.

„Ich habe mich um die Kinder gekümmert und mein Mann hat das Geld verdient. Das war einfach so.“ Sie habe auch während dieser Zeit immer Seminare besucht, die sie weiterbildeten. „Ich wollte nicht auf der Stelle treten und habe zum Beispiel einen Computerkurs belegt“, sagt die 49-Jährige. Sie habe sich auch immer wieder beworben, aber nur Minijobs bekommen.

„Hauptgrund der Absagen war meine mangelnde Berufserfahrung“, sagt sie. Im Jahr 2006 sei sie das erste Mal zum Seminar an der VHS gegangen und war froh über die Hilfe und die Beratung. Ihr Selbstwertgefühl sei stetig gestiegen, als sie während der Seminare gemerkt hat, dass sie nicht alleine mit ihrem Schicksal ist. Sie hat auch ihren Kompetenzpass gemacht. „Irgendwann kam die Zeit, in der ich etwas für mich selbst tun wollte.“ Brüßler hat einen Job hinter der Theke gefunden und Getränke ausgeschenkt. Nach einem halben Jahr Festanstellung sei aber auch dort Schluss gewesen. Den größten Ansporn nicht aufzugeben, hat ihr ihr Mann gegeben: „Er sagte zu mir, dass ich acht Stunden Arbeit am Tag nicht mehr schaffen würde. Ich wusste aber, dass ich es kann“, sagt Brüßler. Zusammen mit ihren neu gewonnenen Kontakten und mit Hilfe des Jobcenters sei sie auf das Jobangebot der Bäckerei Bechthold-Stange aufmerksam geworden. Zusammen mit Regina Novak von der VHS hat sie eine Bewerbung geschrieben und seit April diesen Jahres ist sie festangestellt.

„Ich bin meinem Chef dankbar, dass er mich eingestellt und mir eine Chance gegeben hat, obwohl ich keine ausgebildete Bäckereifachverkäuferin bin“, sagt sie. Sie habe wieder das Gefühl, gebraucht zu werden und einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen. Ihre Beraterinnen von der Volkshochschule und dem Jobcenter hat sie immer noch, allerdings jetzt mehr als Freunde.

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