Kreishandwerksmeister will dem Nachwuchsmangel begegnen

Idee: Junge Portugiesen lernen hier Fleischer

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Werra-Meißner. Längst können im Werra-Meißner-Kreis nicht mehr alle angebotenen Ausbildungsstellen für Fleischer und Bäcker, Tischler und Maurer besetzt werden. Um das stärker werdende Problem, genügend geeigneten Nachwuchs für das Handwerk zu finden, zu lösen, schlägt der neue Kreishandwerksmeister Hubertus Erner vor, sich um junge Menschen in anderen, insbesondere südlichen europäischen Ländern zu bemühen.

So könnte man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn beispielsweise in Portugal und Spanien gibt es viele Jugendliche ohne Lehrstelle und Arbeitsplatz. Mit diesem Vorstoß greift Erner eine im Sommer 2012 von der damaligen Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) gestartete Initiative auf, sich gezielt um spanische Jugendliche zu bemühen.

Man bemühe sich schon seit Jahren gezielt um Jugendliche, erinnert Erner unter anderem an Schnupperkurse und kostenlose Eignungstests. „Man muss neue Wege schaffen, um neue Leute auszubilden“, sagt er. Junge Menschen, die in Südeuropa keine Ausbildung oder Arbeit finden, könnten in Deutschland die Handwerkskunst erlernen und dann in ihr Heimatland exportieren, so der Kreishandwerksmeister.

Er sieht angesichts der Frage nach Unterkunft, Sprachbarrieren und verschiedenen Mentalitäten aber ein großes zu beackerndes Betätigungsfeld. „Damit wäre der einzelne Betrieb total überfordert, aber wir in der Gemeinschaft können es lösen“, meint Erner und verweist auch auf erforderliche Werbung. Gute Ausbildung und ein duales System, das nirgendwo so ausgeprägt ist wie in Deutschland, seien ein Pfund, mit dem man wuchern könne.

Erner: „Es bedarf einer Institution, die die Vermittlerfunktion übernimmt.“ Er will das Thema im Vorstand besprechen und gegebenenfalls auch der Handwerkskammer Kassel antragen.

Von Stefan Forbert

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