Blick hinter die Kulissen

Im Reych der Schlaraffen - Eschweger Verein öffnet seine Pforten

Dreh- und Angelpunkt der Sassen ist der Thron (oben) mit dem Uhu. Die Wappen der Mitglieder (unten) nehmen Bezug zu deren Hobbys und Berufen.
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Dreh- und Angelpunkt der Sassen ist der Thron (oben) mit dem Uhu. Die Wappen der Mitglieder (unten) nehmen Bezug zu deren Hobbys und Berufen.

Ein zwinkernder Uhu ziert die Tür des Herrenkellers unter dem Hochzeitshaus auf dem Schulberg in Eschwege. Dahinter verbirgt sich die Burg der Schlaraffia „Am Eschenwege“.

Eschwege – „Wir spielen ein Spiel“, erklärt Oberschlaraffe Ritter Mü mit Blick darauf, dass die Schlaraffia einerseits als größtenteils von Künstlern ins Leben gerufene Vereinigung und andererseits aus demokratischen Gesichtspunkten mit satirischem Charakter entstanden und Persiflage ist – alles außer der Ritterarbeit für den Aufstieg vom Junker zum Ritter. Dabei sei die Schlaraffia weder religiös noch politisch.

Während die Geschichte der weltweit über 260 Reyche und mehr als 9000 Mitglieder umfassenden Schlaraffia 1859 in Prag beginnt, ist über dem Thron in den Räumlichkeiten der Schlaraffia „Am Eschenwege“ unter anderem das Gründungsdatum dieses Reyches in Eschwege zu lesen: 29.10.90. Hinter dem ungewöhnlichen Datum verbirgt sich der 29. Oktober des 90. Jahres in der Zeitrechnung der Schlaraffia. Aktuell schreiben die Schlaraffen das Jahr 161 a.U. („anno Uhui“).

Ritter Mü, der Tiefzügige, bildet in der Schlaraffia „Am Eschenwege“ als Oberschlaraffe des Inneren gemeinsam mit dem des Äußeren und dem der Kunst das hiesige Oberschlaraffat. Betreten die Sassen – wie sich die Mitglieder der Schlaraffia nennen – die Burg, dann legen sie das Alltägliche ab. Vor der Tür verneigen sie sich vor dem Uhu und stimmen ihren dazugehörigen Ruf an.

Im Winter wird die Uhubaumsfeyer mit Tannenbaum aber ohne religiösen Bezug gefeiert. Im Mittelpunkt der Schlaraffia steht, wie Ritter Mü erklärt, die Pflege von Kunst, Frohsinn und Freundschaft. Kunst im Sinne von musikalischen und sprachlichen Beiträgen, die jeder Sasse leisten darf, ein eigenes übergreifendes Orchester der Schlaraffia, ein gehobener, nicht obszöner Humor, das Klären von Unstimmigkeiten mithilfe von künstlerischen „Duellen“ zu einem zuvor gewählten oder vorgegebenen Thema und vor allem der Austausch mit anderen Reychen sind prägend.

Aufgrund der Corona-Pandemie können die Treffen – in den Wintermonaten die wöchentlichen „Sippungen“ – derzeit nicht stattfinden und auch die Besuche in anderen Reychen sind nicht möglich. Neben einem umfangreichen Hygienekonzept sorgt die kürzlich eingebaute Lüftung für den Schutz der Knappen, Junker und Ritter, sobald Veranstaltungen wieder sicher stattfinden können. Von den bisherigen Besuchen zeugen die Pässe der Sassen mit Einklebern aus unterschiedlichen Reychen, deren Sprache weltweit seit der Gründung deutsch ist – inklusive einiger eigener Begriffe. Das am weitesten entfernte Reych liegt im australischen Perth.

Dass Männer, die Teil der Schlaraffia werden möchten und unbescholten sind, stets willkommen sind, weiß Ritter Mü und fügt hinzu, dass in Eschwege derzeit ein Sasse fehle, der das „Clavicimbel“ und damit das Klavier spielen kann. Da man bei den Sippungen und den im Sommerhalbjahr stattfindenden „Kristallinen“ von seinen Alltagssorgen abschalten und seinen Gegenüber als solchen sehen solle, spiele beispielsweise der Beruf, der sich allerdings ebenso wie ein Hobby im Namen und Wappen eines Ritters widerspiegeln kann, bei den Schlaraffen keine Rolle.

Hinweis: Interessierte können Kontakt zu Ritter Mü aufnehmen, Tel.: 05 65 99 20 06.

(Von Eden Sophie Rimbach)

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