Im Sängerkreis Mittelwerra haben 17 Chöre seit 2008 aufgegeben

Werra-Meißner. Den traditionellen Chören geht die Luft aus. Allein im Sängerkreis Mittelwerra haben in den vergangenen zehn Jahren 17 Chöre aufgegeben oder sind nicht mehr singfähig.

Sechs weitere Gesangvereine haben zu drei neuen Chören fusioniert. Ähnlich sieht es im Sängerkreis Unterwerra aus. Allein im letzten Jahr haben sich drei Chöre aufgelöst. „Wir haben ganz extrem mit der Überalterung zu kämpfen“, sagen sowohl der Vorsitzende Mittelwerra, Hans Otto Schwarz, als auch Margret Vogelei, Vorsitzende aus dem Raum Witzenhausen.

37 Chöre sind im Sängerkreis Mittelwerra, der sich von Bad Sooden-Allendorf über das Meißnervorland und Eschwege bis in den Südringgau erstreckt, noch aktiv. „1986, zu den Hochzeiten des Chorwesens, waren es noch 57“, sagt Schwarz. Noch dramatischer ist der Rückgang der aktiven Sänger um rund zwei Drittel. Statt knapp 2400 singen heute nur noch 800 Menschen im Sängerkreis Mittelwerra.

Neben der Überalterung machen Schwarz und Kreischorleiter Arne Borg eine schwindende Verantwortungsbereitschaft aus. „Niemand möchte sich binden, wöchentlich üben und am Wochenende Auftritte absolvieren“, beschreibt Borg die Situation. Ohne die Organisation und Finanzierung durch einen Verein funktioniere Chorgesang aber nicht. Deswegen erteilen Schwarz und Borg auch Projektchören eine Absage, den schwindenden Chorgesang im Verein auffangen zu können. Margret Vogelei vermisst außerdem Unterstützung aus dem Schulunterricht. „Im Kindergarten wird der Gesang noch gefördert, danach lässt es deutlich nach.“

Das Problem ist keines, das nur den Kreis betrifft. Etwa 20 Chöre kündigen pro Jahr im Mitteldeutschen Sängerbund (MSB) die Mitgliedschaft oder lösen sich auf. 2006 zählte der MSB insgesamt 821 Chöre, in diesem Jahr sind es weniger als 600. 

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