Futterknappheit und Virenträger

Imker der Region kritisieren große Wanderimkereien 

Über 120 Bienenvölker wurden von der Sonnentracht GmbH hinter der stillgelegten Eisenbahnbrücke an der Werra bei Eschwege geparkt.
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Über 120 Bienenvölker wurden von der Sonnentracht GmbH hinter der stillgelegten Eisenbahnbrücke an der Werra bei Eschwege geparkt.

Im Werra-Meißner-Kreis stellen seit einigen Jahren vermehrt Wanderimkereien ihre Völker ab. Hauptsächlich zum Überwintern. Den heimischen Imkern stößt das auf. 

Die heimischen Imker kritisieren, dass die fremden Völker das ohnehin knappe Futter aufbrauchten und Viren eintragen könnten. 

Die Wanderimkereien weisen die Vorwürfe zurück und verweisen auf ihre konsequente Überwachung der aufgestellten Bienenstöcke.

Die Bio-Imkerei Sonnentracht aus Bremen stellt beispielsweise ab dem Sommer mehrere Dutzend Völker im Werratal ab. Die Tiere sollen sich hier auf die Überwinterung vorbereiten. 

Ab April werden 800 Völker der Wanderimkerei ins Saaletal gebracht

„Die Honigernte ist zu diesem Zeitpunkt schon weitestgehend abgeschlossen“, sagt Karin Lang, Geschäftsführerin der Sonnentracht GmbH. Ab April werden die 800 Völker der Wanderimkerei erst zur Frühtracht mit Raps ins Saaletal gebracht.

Mitte Mai kommen die Bienen dann auf ihre Standplätze in der Märkischen Schweiz zur Akazienblüte und dann im weiteren Verlauf in die Staatsforste nach Berlin-Brandenburg, um Lindenhonig zu ernten. 

„Ab Mitte Juli bringen wir die Völker zurück ins Werratal, wo wir die Bienenstöcke auf Flächen von Landwirten abstellen“, erklärt Lang. Entlohnt werden die Landwirte mit Honig.

Jede Wanderung muss dem Veterinäramt gemeldet werden

Jede Wanderung muss beim Veterinäramt angemeldet werden. Die Bienen brauchen ein Gesundheitszeugnis. „Das erhalten wir nur, wenn die Futterkranzprobe, die durch den örtlichen Bienensachverständigen oder direkt vom Veterinär gezogen wird, einwandfrei ist“, sagt Lang. 

Vonseiten des Veterinäramtes Werra-Meißner gibt es bislang keine Bedenken. Ein amtstierärztliches Gesundheitszeugnis liege vor. Die Völker würden vor und während der Wanderung – insbesondere auf die amerikanische Faulbrut – von eigenen Experten untersucht. 

Nach der Tracht im August und im Winter behandeln die Bremer Imker nach eigenen Angaben die Bienenstöcke mit organischen Säuren. 

Die Kritik: Zusätzliche Bienen verbrauchen das knappe Futter

Alle neun Tage kontrollieren sie ihre Völker. Thomas Krüger, Vorsitzender der Imker im Kreis, bemängelt, dass die zusätzlichen Bienen Futter verbrauchten, das immer knapper werde. Die Tiere brauchten mehr Energie, weil sie auch in den milden Wintern flögen. 

Mittlerweile, so beschreibt Kreisvorsitzender Thomas Krüger die Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit, seien die Winter so mild, dass er Bienenflug selbst an Heiligabend beobachtet habe. Wenn die Tiere unterwegs seien, suchten sie Futter. Je mehr Bienen, desto weniger fänden sie. Gerade in Herbst und Winter. 

„Wir bitten die Bevölkerung ja ohnehin schon Blumen zu pflanzen, die den Bienen auch im Herbst noch Nahrung bieten würden“, sagt Krüger. 

Wanderimkereien sollen im Winter zurück in den Heimatlandkreis

Den Zeitpunkt, an dem der Bremer Großimker Sonnentracht seine Bienen im Kreisgebiet aufstelle, halte er für ungünstig. „Schöner wäre es, wenn die Völker zur Obstblüte hier ständen, dann hätte die Region auch was von der Bestäubungsleistung.“ 

Er will sich beim Landesverband dafür stark machen, dass Wanderimkereien zum Überwintern in den heimischen Landkreis zurückkehren. Andere Bundesländer hätten das schon vorgemacht. 

Das schöne Werratal sei zum Überwintern ideal, sagt Sonnentracht-Chefin Karin Lang. Die Völker stünden immer in Absprache mit Landbesitzern, Förstern und Landwirten an den gleichen Plätzen.

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