In Eschwege gibt es 80 Stellen, an denen Altlasten vergraben wurden

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Wilde Mülldeponie: Bis in die Siebzigerjahre hinein wurde Hausmüll mehr oder weniger unkontrolliert in die Landschaft gekippt. Rund um Eschwege gibt es etwa achtzig Lagerstätten. Nur von den wenigsten ist bekannt, was drin liegt.

Eschwege. Rund 80 Lagerstätten mit Hausmüll, Industrieabfällen und anderen Altlasten gibt es auf dem Gebiet der Kreisstadt Eschwege. Das haben SPD und Grüne jetzt herausgefunden.

Jetzt wollen die Stadtverordnetenfraktionen der beiden Parteien den Magistrat mit der Untersuchung beauftragen.

„Wir stellen einen entsprechenden Antrag in der Stadtverordnetenversammlung“, kündigt Fraktionsvorsitzender Lothar Dietrich (Bündnis 90/Die Grünen) an. „Ich will wissen, was drin ist und wo die Gefahren liegen“, so Dietrich. „Das muss jetzt diskutiert werden.“ Feiertag: „Das ist eine gigantische Aufgabe; wir müssen eine Prioritätenliste erstellen und abarbeiten“.

Die beiden Fraktionsvorsitzenden berichten von zahlreichen Lagerstätten mit ungeklärtem Inhalt. Hausmüll wurde bis in die Siebzigerjahre hinein vielerorts unkontrolliert in Geländeabsenkungen oder Gräben gekippt und später lediglich mit Erde abgedeckt. Rund achtzig Lagerstätten seien im Landschaftsplan der Kreisstadt aufgelistet, allerdings ohne Spezifizierung. Oft sei pauschal von Hausmüll die Rede. „Das kann vieles sein“, so Dietrich: „Lackreste, Öl, Batterien“. Kernbohrungen reichen nach Auffassung des Fraktionschefs der Grünen nicht aus, weil damit Gefahrstoffe möglicherweise nicht getroffen würden.

Um eine Prioritätenliste erarbeiten zu können, fordert Feiertag die Befragung von Zeitzeugen. „Wir müssen zunächst den Gefährdungsgrad feststellen.“

Ausgelöst wurde die Diskussion über belastete Müllablagerungen, nachdem bekannt wurde, dass auf dem Gelände des zukünftigen Eschweger Neubaugebietes zwischen Höhenweg und Langenhainer Weg das frühere Eschweger Pharmaunternehmen Woelm Produktionsabfälle abgelagert haben soll. Ein Anwohner hatte davon berichtet. „Dort liegen nicht nur Woelm-Abfälle, sondern auch Krankenhaus-Müll“, sagt Dietrich.

Während einer der nächsten Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung wollen die beiden Fraktionen einen gemeinsamen Antrag formulieren. Damit soll der Magistrat beauftragt werden, die achtzig bekannten Lagerstätten zu überprüfen und dazu zunächst Zeitzeugen zu befragen. Dietrich warnt vor leichtfertigem Umgang mit der Problematik. Anderenorts sei deutlich geworden, welche Auswirkungen mit, beispielsweise, Arsen belastete Böden oder Grundwasser haben könnten.

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