FRAGEN UND ANTWORTEN zum Unverpackt-Laden

In Eschwege öffnet der erste Unverpackt-Laden „Nachfüllbar“

Haben sich das Ladengeschäft für die Nachfüllbar Hinter den Scheuern angeschaut: (von links) Judith Rode, Samira Waldeck, Alexander Heppe, Stefanie Sønnichsen und Uwe Gondermann.
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Haben sich das Ladengeschäft für die Nachfüllbar Hinter den Scheuern angeschaut: (von links) Judith Rode, Samira Waldeck, Alexander Heppe, Stefanie Sønnichsen und Uwe Gondermann.

Der erste reine Unverpackt-Laden im Werra-Meißner-Kreis öffnet in der Eschweger Innenstadt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur sogenannten Nachfüllbar.

Was ist eigentlich ein „Unverpackt-Laden?

Ein Unverpackt-Laden ist ein Einzelhandelsgeschäft, in dem das gesamte Sortiment lose – also ohne Gebinde und somit frei von Verpackungen – angeboten wird. Ziel ist es, dadurch Lebensmittelabfall und Verpackungsmüll zu vermeiden.

Wie läuft das beispielsweise in dem neuen Geschäft in Eschwege ab?

Im Sortiment gibt es neben trockenen Lebensmitteln wie Gewürzen, Ölen, Hülsenfrüchten, Getreide, Nüssen oder Süßigkeiten auch Reiniger zum Abfüllen sowie Bad- und Haushaltsprodukte. Mehrere Hundert Produkte sollen es sein. Regionale Händler werden bevorzugt. Man bringt seine eigenen Gläser, Dosen und Beutel mit in den Laden, wiegt diese vor Ort an der Kundenwaage und notiert das Leergewicht. Dann füllt man sein Wunschprodukt ab und geht zur Kasse. Dort wird das Leergewicht abgezogen und man zahlt den Preis für das reine Produkt. Die Behälter kann man auch im Laden kaufen.

Wo befindet sich denn das Geschäft?

Die Betreiber haben ein Ladengeschäft in der ehemaligen Brasserie angemietet. Das rund 60 Quadratmeter große Geschäft namens Nachfüllbar hat seinen Eingang Hinter den Scheuern.

Kann ich in dem Unverpackt-Laden jetzt schon einkaufen?

Nein. Das Geschäft in Eschwege wurde gerade angemietet und wird derzeit renoviert. Eine Eröffnung ist für den August angedacht. Mit Abstands- und Hygienekonzept kann das Geschäft unabhängig von aktuell geltenden Corona-Schutzmaßnahmen betrieben werden, weil es zur Lebensmittelbranche zählt.

Wer sind die Betreiber dieses neuartigen Ladengeschäfts?

Franziska Werner (32) und und Samira Waldeck (30) – genannt Franzi und Samira – betreiben das Geschäft ab August. Samira ist in Eschwege zur Schule gegangen, hat dann in Kanada und Asien gelebt und eine Ausbildung zur Köchin in einem Bio-Hotel absolviert. Franzi kommt ursprünglich aus Hamburg und ist von Beruf Barkeeperin. In einem Bistro, wo beide gearbeitet haben, haben sie die Idee zur Nachfüllbar entwickelt.

Haben die beiden Betreiber schon Erfahrungen?

Haben sie. In Kassel haben sie den ersten Unverpackt-Laden der Stadt, der ebenfalls Nachfüllbar heißt, eröffnet. Beiden fehlte das Angebot. „Wir haben uns zuvor viele dieser Läden in Deutschland angeschaut und das unserer Meinung nach beste in unserem Laden vereint“, sagt Samira. Seit knapp einem Jahr läuft der Laden in Kassel.

Wie sind die beiden auf Eschwege gekommen?

Weil der Laden in Kassel trotz Pandemie gut angelaufen ist und Samira aus Eschwege stammt, haben sie sich dafür entschieden, ihren nächsten Schritt in Eschwege zu machen. Jochen Grüning, der die Initiative #Eschwegeplastikfrei unterstützt, hatte den Kontakt vermittelt.

Wie unterstützt die Stadt Eschwege die Unternehmerinnen?

„Das Unverpackt-Konzept spiegelt das nachhaltige Lebensgefühl wieder und kommt genau zur richtigen Zeit nach Eschwege“, sagt Bürgermeister Alexander Heppe. Es passe genau in die aktuelle Kampagne #Eschwegeplastikfrei. Uwe Gondermann, der das im Herbst gestartete Projekt vonseiten der Stadt betreut, ist froh, dass ein Unverpackt-Laden so schnell nach Eschwege kommt. „Eigentlich hatten wir solch ein Geschäft als Krönchen unserer Kampagne erhofft.“ Dass es jetzt schon realisiert ist, sei umso schöner.

Gibt es Förderungen für die Nachfüllbar?

Die gibt es. Die Aufnahme in das Förderprogramm lokale Ökonomie läuft, wie Stefanie Sønnichsen vom Fachbereich Wirtschaft und Stadtentwicklung berichtet. Gefördert würden Investitionen in Facheinzelhandel, Dienstleistungen, Handwerk, Gastronomie, Seniorenwirtschaft oder Tourismus bei Existenzgründung bis zu 50 Prozent. Für dieses Programm kann man sich noch bis zum 31. Mai 2022 bewerben. eschwege.de/stadt/wirtschaft-und-stadtentwicklung/wirtschaftsfoerderung/lokale-oekonomie.

Eschwege plastikfrei

Eschwege plastikfrei zu machen, ist das Ziel einer Initiative des Eschweger Stadtverordneten und Mitglieds der Synode des Kirchenkreises Eschwege Jochen Grüning. „Es ist unsere Aufgabe, die Schöpfung zu bewahren“, sagt Grüning. Die Projektgruppe hat sich bislang siebenmal getroffen. Ihr Ziel ist es, möglichst viele Eschweger mit ins Boot zu holen, um gemeinsame Ideen zu entwickeln. „Das Schwierigste ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren“, sagt Uwe Gondermann, der das Projekt für die Stadt Eschwege begleitet. Am Dienstagabend hat sich die Projektgruppe auf ein gemeinsames Siegel geeinigt.

Kontakt: jocheng63@gmail.de oder uwe.gondermann@eschwege-rathaus.de.

(Tobias Stück)

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