In Eschwege werden im März neun weitere Stolpersteine verlegt

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Die Opfer des Nationalsozialismus nie vergessen: Seit dem Jahr 2009 werden in der Kreisstadt Eschwege Stolpersteine verlegt, wie hier für die Familie Rieberg, die im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde. Im März sollen neun weitere Steine folgen. 

Eschwege. Am 23. März sollen in Eschwege neun weitere Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden.

Verlegt werden die Steine im März für Nanny Steindler und die Familien Erich Narewczewitz und Dr. Georg Narewczewitz. Steindler lebte bei Familienangehörigen und wurde noch im hohen Alter von 88 Jahren von den Nationalsozialisten deportiert. Sie wurde im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet.

Von der Lehrerfamilie Erich Narewczewitz, der Frau, Sohn und Mutter angehörten, überlebten nur Frau und Sohn das Konzentrationslager. Die beiden wanderten nach Neuseeland aus, wo der Sohn auch heute noch lebt.

Die Zahnarztfamilie Narewczewitz konnte samt Frau und beiden Töchtern rechtzeitig nach Großbritannien fliehen. Dr. Georg Narewczewitz war gezwungen seine Praxis in Eschwege aufzugeben, konnte diese aber an Dr. Karl Groß übergeben, der weiterhin jüdische Patienten behandelte.

Aus diesem Grund wurde er von der NSDAP gerügt und in der Öffentlichkeit als „Judenarzt“ denunziert. Zwischen den beiden Ärzten entstand eine freundschaftliche Beziehung, die über den Krieg hinaus währte.

Das Projekt, das unter Verantwortung der Historischen Gesellschaft des Werralandes und des Stadtarchivs Eschwege läuft, sucht weitere Geldspender für die Zukunft.

„Da die Aktion auch nach dem März weitergeführt werden soll, sind Spender jederzeit herzlich willkommen“, berichtet York-Eckbert König vom Stadtarchiv in Eschwege.

Interessierte können eine Patenschaft zur Herstellung und Verlegung übernehmen. Die Kosten belaufen sich dabei pro Stein auf 120 Euro.

Ansprechpartnerin bei der Eschweger Stadtverwaltung ist dafür Dr. Annika Spilker, die telefonisch unter 0 56 51/30 42 81 erreicht werden kann.

Hintergrund

Im November 2008 jährte sich zum 70. Mal der Pogrom gegen die jüdischen Einwohner Nazi-Deutschlands. Er bildete den Auftakt zur systematischen Judenverfolgung und -vernichtung. Auch in Eschwege wurden Menschen jüdischen Glaubens gedemütigt, drangsaliert und deportiert. Im August 2008 beschloss die Stadtverordnetenversammlung einstimmig die Verlegung von Stolpersteinen. Bei den Steinen handelt es sich um Betonwürfel, auf denen Messingplatten verankert sind. Darauf werden der Name des Opfers, der Jahrgang und das weitere Schicksal eines jeden Betroffenen eingetragen. Verlegt werden die Steine jeweils vor dem letzten Wohnhaus des Opfers. Die ersten Steine gibt es in der Kreisstadt seit März 2009. (mm)

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