Mahnmale für Opfer der Nazizeit

In Eschwege werden neun neue Stolpersteine verlegt

Verlegte in Eschwege an drei Orten Stolpersteine: der Künstler Gunter Demnig mit dem Gedenkstein für Emma Narewczewitz, der jetzt an der Forstgasse 13 an ihre Familie erinnern soll. Foto:  Morth

Eschwege. Am Freitagvormittag wurden an drei Standorten in Eschwege neun weitere Stolpersteine für jüdische Opfer des Nationalsozialismus verlegt.

Nach der historischen Vorbereitung durch Dr. Annika Spilker und York-Egbert König vom Stadtarchiv brachte Künstler Gunter Demnig die Steinquader an. Unterstützung erhielt er dabei von der Firma Beck-Bau.

Im Alten Steinweg 29 wird fortan an Nanny Steindler gedacht. Sie wurde 1942 noch im hohen Alter von 88 Jahren deportiert und im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet. Bei der Verlegung anwesend waren unter anderem auch ihre Urenkel Poul und Arne Müller, die extra aus Dänemark anreisten. Sie bedankte sich bei allen beteiligten Personen für ihren Einsatz. „Für uns beide ist das ein sehr emotionaler Tag. Heute ehren wir alle Opfer. Die Würde des Menschen ist unantastbar“, so Poul Müller in seiner Rede. Die Patenschaft für den Stolperstein hat der Eschweger Verein Frauen für Frauen übernommen.

Für die Lehrerfamilie Narewczewitz wurden vier Quader in der Forstgasse 13 eingelassen. Erich Narewczewitz wurde samt Ehefrau, Mutter und Sohn nach Theresienstadt deportiert. Dort fanden der Familienvater und seine Mutter den Tod. Ehefrau und Sohn überlebten das Konzentrationslager und emigrierten nach Neuseeland, wo der Sohn Robert noch heute mit seiner Familie lebt. Bei der Verlegung gedachten Schüler des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums Erich Narewczewitz’, der bis zur Entlassung aus dem Dienst 1934 Studienrat an ihrer Schule war. Sie berichteten aus seinem Leben und mahnten gegen das Vergessen: „Mögen die Stolpersteine sowie der Gedenkstein für jüdische Mitglieder der Schulgemeinde in unserer Schule dafür sorgen, dass das Unrecht der Nazizeit sowie das Schicksal von Erich Narewczewitz nicht vergessen werden.“

In der Hindenlangstraße 1a wurden vier Stolpersteine für die Zahnarztfamilie Dr. Georg Narewczewitz nebst Ehefrau und seinen beiden Töchtern befestigt. Die Familie konnte rechtzeitig nach Großbritannien fliehen, allerdings war Georg dazu gezwungen, seine Praxis aufzugeben.

Im gesamten Stadtgebiet Eschweges befinden sich mittlerweile 150 Stolpersteine, die an die Opfer des Nazi-Regimes erinnern. Mit der Verlegung wurde im Jahr 2009 begonnen.

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