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In Hessen gibt es weniger Schwangerschaftsabbrüche

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Von: Theresa Lippe

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Wer ungewollt schwanger ist und die Schwangerschaft abbrechen möchte, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört auch die Beratungsbescheinigung von einer anerkannten Beratungsstelle.
Wer ungewollt schwanger ist und die Schwangerschaft abbrechen möchte, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört auch die Beratungsbescheinigung von einer anerkannten Beratungsstelle. ©  imago/suedraumfoto

Noch nie seit der Jahrtausendwende gab es in Hessen so wenige Schwangerschaftsabbrüche wie derzeit. Darauf weist die AOK Hessen unter Berufung auf Auswertungen des Hessischen Statistischen Landesamtes hin.

Werra-Meißner – Demnach kam es 2021 zu 7688 Abbrüchen. Im Jahr 2000 waren es noch 10 796. Laut Auswertung der AOK sei diese Entwicklung darauf zurückzuführen, dass die Zahl der Personen in den entsprechenden Altersgruppen generell sinkt – Die meisten Abbrüche gab es 2021 in der Gruppe der 18- bis 30-Jährigen. Von ihnen entschieden sich 3651, ihre Schwangerschaft vorzeitig zu beenden.

Bei den unter 18-Jährigen waren es 224, bei den über 40-Jährigen 661. Ob weniger Menschen ungewollt schwanger werden oder sich weniger für einen Abbruch entscheiden, geht aus den Daten nicht hervor. Hinzu kämen umfassende Beratungsangebote, etwa im Hinblick auf Verhütung. Junge Menschen seien heute besser aufgeklärt, so dass es seltener zu unerwünschten Schwangerschaften käme.

„Zu der Statistik über weniger Schwangerschaftsabbrüche in Hessen im Jahr 2021 sollte auch die Statistik zu den Meldestellen Beachtung bekommen“, sagt Susanne Weise, Leiterin der Awo-Beratungsstelle für Schwangerschaft, Familie und Sexualität in Eschwege (mit Außenstelle in Witzenhausen). Das sind die Stellen, die Abbrüche durchführen. Dort sei ebenfalls ein Rückgang zu beobachten, wie das statistische Bundesamt verzeichnet hat, und zwar um 46 Prozent, erklärt sie.

Weise: „2003 gab es bundesweit noch 2050, Ende 2020 dagegen nur noch 1109 Meldestellen.“ In weiten Teilen Deutschlands bestünde bereits ein Versorgungsmangel, das betreffe vor allem ländliche Gegenden, in denen oftmals weite Strecken zurückgelegt werden müssen, um einen Abbruch zu bekommen.

„Im Werra-Meißner-Kreis gibt es kein Angebot mehr für einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch, der bis zur neunten Woche möglich ist und doch eine sehr unkomplizierte Methode in der frühen Schwangerschaft ist“, sagt die Expertin.

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