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In den Hotels dieser Welt zu Hause: Die Gerloff-Bäder aus Eschwege

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Modell für einen Großauftrag: Spektakulär, einzigartig, außergewöhnlich und platzeffizient sei das das für einen Großauftrag neu entwickelte Bad, sagt Dr. Michael Gerloff.

Zwischen 2000 und 3000 Hotelbäder baut das Eschweger Unternehmen Gerloff pro Jahr. Zu den Kunden zählen namhafte internationale Hotelketten. 20 bis 25 Millionen Euro setzt Gerloff um.

Ganz hinten, am Ende der riesigen Halle, auf einem leicht erhöhten Podest stehen die beiden Prototypen. Eine dezente Absperrung signalisiert, dass das Betreten der beiden Musterbäder nicht erwünscht ist. Dr. Michael Gerloff präsentiert seine neuesten Modelle, die schon bald in einem modernen Hotelneubau im niederländischen Amsterdam montiert werden sollen – in sechshundertfacher Ausfertigung. „Die Präsentation bei den Entscheidungsträgern steht bevor“, sagt der Ingenieur und geschäftsführende Gesellschafter des Eschweger Unternehmens.

Geplant wird in Eschwege: Architekt Ugochukwu Uweala plant bei Gerloff Badezimmer für Hotels in aller Welt.

Dr. Gerloff hat sich für diesen Vier-Sterne-Hotelneubau etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Die Bäder werden nicht wie üblich in einen vorhandenen Raum eingebaut, sie sind der Raum. Glas- und Steinelemente sind die Wände, werden vorproduziert und vor Ort montiert. Der gesamte Trockenbau wird überflüssig, Fliesenarbeiten ebenso. Das spart Platz, Bauzeit und Geld. Und die Konstruktion „made in Eschwege“ schaut obendrein auch noch ausgesprochen stylish und sehr hochwertig aus. „Das ist spektakulär, einzigartig, außergewöhnlich und platzeffizient“, schwärmt Gerloff. Und die Massivsteinwände lassen sich nach dem Konzept mit jedem beliebigen Plattenmaterial bauen.

Geplant, entworfen, gezeichnet, erdacht wird in Eschwege, produziert in Cornberg. Im Nachbarkreis hat die Firma Gerloff ihre Fabrikation. Aus Naturstein wird heute nur noch wenig gearbeitet. Künstlich hergestellte Werkstoffe haben alle Vorteile. Die Materialien sind widerstandsfähiger, lassen sich besser verarbeiten, viel flexibler den Wünschen nach Farbe, Größe und Form anpassen, sie sind weniger pflegeempfindlich und leichter hygienisch sauber zu halten.

Kosten- und Qualitätsfrage 

Aufziehendem Nebel nachempfunden ist die Beschichtung der Badverglasung.

Im Materialdepot liegt weit mehr als Stein und Keramik. Spiegelglas in Rohform, Materialien für unterschiedliche Beleuchtungen und für Duschsysteme, für Schalter und vieles mehr sind in den Regalen zu finden. „Hier wird viel Wertschöpfung betrieben“, sagt Gerloff, „warum soll ich das nicht mitnehmen?“ Außerdem sei die Eigenproduktion der verschiedenen Bauteile eine Kosten-, vor allem aber eine Qualitätsfrage.

Für Aufträge dieser Größenordnung Musterbäder zu bauen, sei üblich, sagt Dr. Gerloff. Bei Sanierungen würden die in die bestehenden Hotels eingebaut. Das Eschweger Unternehmen arbeite für alle namhaften Hotelketten. Gerloff: „Wir sind ziemlich weit vorn mit dabei.“ Gute Arbeit spreche sich in der Branche herum. „Der schönste Weg der Akquise ist der Anruf eines zufriedenen Kunden.“ Kontakte in der Branche seien das A und O. „Referenzen sind wichtig“, so Gerloff, der das besonders für die Vergabe bei Sanierungsaufträgen sieht. Die Arbeiten im laufenden Betrieb unterliegen ganz eigenen Regeln, wenn in einem Teil des Hotels gearbeitet wird, während andere Etagen bewohnt werden. Feste Zeitvorgaben spielen dabei eine wesentliche Rolle. Verzögerungen können schnell viel Geld kosten. Wenn Termine nicht eingehalten und Zimmer nicht wie geplant vermietet werden können, haftet der Bauunternehmer.

60 Mitarbeiter an zwei Standorten

Der Eschweger Unternehmer Dr. Michael Gerloff wurde gerade mit dem renommierten German Design Award 2020 für sein Duschbodensystem Surf ausgezeichnet. Der Duschboden kommt nahezu ohne sichtbaren Wasserablauf aus. Über eine lediglich wenige Millimeter breite und kaum sichtbare Vertiefung am Rand läuft das Wasser ab. Gefälle wird für den Ablauf nicht benötigt. Die Kapillarwirkung leitet das Wasser zum Punktablauf. 2000 Duschen und Waschtische hat Gerloff nach diesem neuen, patentierten System, das besonders wartungs- und reinigungsfreundlich ist, bereits eingebaut. Gerloff produziert in erster Linie für Hotels. Häuser mit 50 bis mehr als 600 Zimmern gehören zu den Kunden. Das Unternehmen beschäftigt in Eschwege und im Werk in Cornberg 60 Mitarbeiter und arbeitet mit 80 bis 100 Handwerkern als Nachunternehmern zusammen. 

Die Gerloff-Bäder werden in Fünf-, Vier- und Drei-Sterne-Hotels eingebaut. Mit Budgets, die je nach Kategorie zwischen siebeneinhalb und 25 000 Euro liegen. Die Kunden – sehr oft internationale Hotelketten – werden Komplettlösungen angeboten. Die reichen von der Planung bis zur schlüsselfertigen Montage. 300 bis 400 Einzelteile hat ein Gerloff-Bad, das in Eschwege geplant, in Cornberg produziert und irgendwo auf der Welt in einem Hotel montiert wird.

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