Beeinträchtigte Schüler werden zunehmend integriert – Lernhilfe-Schulen bluten aus

Inklusion im Werra-Meißner-Kreis wird Realität

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Symbolbild

Werra-Meissner. Die politisch angestrebte Inklusion in den Schulen des Werra-Meißner-Kreises wird allmählich Wirklichkeit: Immer mehr körperlich und geistig beeinträchtigte Kinder mit Förderbedarf werden an allgemeinen Schulen unterrichtet. Das zeigen aktuelle Statistiken des Staatlichen Schulamtes in Bebra. Gleichzeitig werden die Klassenräume der Lernhilfe-Förderschulen immer leerer.

Seit 2008 schrumpfte die Schülerzahl an den vier Lernhilfe-Schulen im Kreis von 288 auf aktuell 198, also um knapp ein Drittel. Dagegen finden immer mehr beeinträchtigte Schüler den Weg in allgemeine Schulen zum gemeinsamen oder inklusiven Unterricht: Waren es 2008 noch 96 Schüler, verzeichnen die Statistiken des Schulamts für das vergangenen Schuljahr 159 Kinder.

„Solange die Förderschulen von den Eltern noch gewählt werden, gibt es keinen Grund, diese zu schließen“, sagt Ursula Thom-Plappert, Dezernentin im Schulamt. „Erst wenn dies nicht mehr so ist, tritt der Landkreis mit uns in Verhandlungen über eine Schließung.“

Im Kreis bangen Förderlehrer verschiedener Einrichtungen um deren Bestand. Jüngstes Beispiel ist die Witzenhäuser Steintorschule, deren Rektor Rolf Kronenberger aufgrund schwacher Auslastung die Schließung im Jahr 2015 befürchtet. Fünf Jahre nach Inkrafttreten der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen in Deutschland und Hessen scheint klar: Nicht alle Förderschulen im Kreis werden auf Dauer bestehen.

Die Zahlen illustrieren die Einlösung eines bildungspolitischen Grundsatzzieles der Landesregierung. In dem sogenannten „Aktionsplan“ zur Umsetzung der UN-Konvention wurde im Jahr 2012 formuliert: „Förderschulen verlagern ihre Angebote schrittweise unter das Dach der allgemeinen Schule.“ Laut Schulamt ist es das erklärte Ziel der Landesregierung, nicht mehr als vier Prozent aller Schüler auf Förderschulen unterrichten zu müssen – derzeit sind es laut Schulamt rund 4,3 Prozent im Zuständigkeitsgebiet Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg.

Von Jan Schumann

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