„Wir senden ein Signal: Kultur lebt“

Inselflair: 250 Besucher feiern Mini-Variante des Open-Flair-Festivals

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20 Sekunden dauerte es, dann waren die Tickets für das Inselflair Eschwege vergriffen. Den Besuchern gefiel die Mini-Variante des Open Flairs ausgesprochen gut.

Vom 5. bis 9. August wäre Eschwege durch das Open Flair eigentlich im Ausnahmezustand gewesen. Corona macht alles anders – Premiere für das Inselflair.

 „Es ist so schön, euch in Eschwege wiederzusehen“, begrüßten die Monsters of Liedermaching die Besucher des Inselflairs. Das Inselflair ist die Mini-Ausgabe des Open Flairs. Eigentlich hätte in diesem Jahr die bereits 36. Auflage des Festivals stattfinden sollen. Vor nur 250 Besuchern vor Ort spielten am Freitagabend die Monsters of Liedermaching und Sondaschule, zwei Bands, die zu den regelmäßigen Gästen des Festivals gehören.

Die Monsters waren erst Ende April für zwei Shows in der Kreisstadt, damals spielten sie Autokonzerte. „Wir freuen uns, dass wir die Leute wiedersehen können. Das ist jetzt das zweite Konzert mit Menschen und dem geforderten Abstand“, erklärte Totte Kühn. In Zweier-, Vierer- und Achtergruppen saßen die Besucher auf Sitzgelegenheiten im Baumkreis, wo sonst über 5000 Menschen vor der Freibühne stehen würden, mit viel Abstand.

Sehr gern zu Gast in Eschwege: Die Monsters of Liedermaching.

„Wir freuen uns über diese große Unterstützung. Die Tickets waren innerhalb von 20 Sekunden ausverkauft – die wenigsten Tickets wurden von Gästen aus Eschwege gekauft. Das ist ein unglaublicher Support, den wir beim Planen der Veranstaltung nicht absehen konnten“, erklärte Geschäftsführer Alexander Feiertag.

Für alle Gäste, die zuhause bleiben mussten, übertrug das Open Flair die Konzerte über Facebook und Youtube live ins Internet. Durch die Internet-Show führte Poetry- Slamer Felix Römer und begrüßte dazu auch Bürgermeister Alexander Heppe, der mit Alexander Feiertag die Besucher willkommen hieß.

„Wir freuen uns, dass wir trotzdem etwas machen können, und dass es schön wird“, so Moderator Felix Römer zur Begrüßung. „Wir freuen uns darüber, dass wir auch in diesem Jahr die Unterstützung der Stadt Eschwege haben.“ „Ich bin mit dem Open Flair aufgewachsen. Wenn man es gewöhnt ist, dass an diesem Wochenende die Stadt voll und bunt ist, dann ist das gerade sehr traurig mit anzusehen“, sagte Bürgermeister Alexander Heppe. „Auf der anderen Seite: Das wir heute das Signal senden können, dass Kultur lebt, ist toll und sehr wichtig.“

„Wir werden machen, was geht. Die Problematik ist, dass das alles nicht wirtschaftlich ist. Es geht nur, weil wir ein ehrenamtliches Team haben, das sagt: ,Wir wollen das Festival hochhalten’. Wir haben befreundete Firmen und Bands, ohne die wir das nicht machen könnten. Sie sind uns sehr entgegengekommen“, erklärte Alexander Feiertag noch einmal die Situation.

Wenn Sondaschule aufspielen, hält es niemanden mehr auf seinem Platz.

Die 250 Gäste feierten friedlich zuerst mit Monsters of Liedermaching und später am Abend mit Sondaschule. Bei Sondaschule saß dann niemand mehr auf seiner Bank, die Leute standen und feierten in ihren kleinen Gruppen.

„Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr wieder ein normales Open Flair feiern können. Ich möchte gern mein Lieblingsfestival so zurück, so, wie ich es seit Jahren besuche“, sagt Michael Kraus, der mit seinen Freunden aus Berlin angereist war.

Boppin B und Massendefekt spielen am Samstagabend

Freuten sich, in echte Gesichter statt in die Leuchten von Autos zu blicken: die Rocker von Massendefekt.

Der zweite Tag des Inselflairs begann etwas langsamer. Auf dem Werdchen waren es nach Einlass in den Baumkreis um 18 Uhr immer noch über 30 Grad. „Das Tolle ist, dass es hier auf unseren Liegestühlen echt chillig ist. Da kann man es dann mit einem kühlen Bier gut aushalten“, sagt Marion Bauermeister, die mit ihrem Freund aus Münster angereist war. Am Samstag stand zuerst die Rockabilly-Band Boppin B und danach die alternative Rockband Massendefekt auf der Bühne. 

Beide Bands hätten in diesem Jahr auch auf dem normalen Open Flair gespielt. „Es ist so schön, in echte Gesichter zu blicken und nicht in die Leuchten von Autos“, begrüßte Sänger und Gitarrist Sebi Beyer von Massendefekt die 250 Gäste. Um noch mehr Menschen ein kleines bisschen Open-Flair-Feeling zu bescheren, organisierte der Arbeitskreis Open Flair an beiden Tagen vor dem E-Werk einen Biergarten, der ebenfalls sehr gut angenommen wurde. „Man kann hier gut sitzen und bekommt ein bisschen was von den Konzerten mit“, sagt Lilli Maurer aus Bad Sooden-Allendorf. „In diesem Jahr wäre es unser zehntes Open Flair gewesen, aber dann feiern wir das im nächsten Jahr umso mehr.“ Vor dem Biergarten spielten an beiden Tagen regionale Bands und Künstler auf einer mobilen Bühne, so zum Beispiel die Sängerin Bella, die Eschweger Band Schippe Dreck oder Fullax aus Kassel. 

Rockabilly pur: die Band Boppin B.

Am späten Samstagabend betrat dann noch Andy Strauss die mobile Bühne, der sonst regelmäßig beim Open Flair im E-Werk die Leute begeistert. Nach den beiden Konzerten im Baumkreis kamen Alexander Feiertag und Moderator Felix Römer auf die Bühne, bedankten sich beim Publikum und knoteten das Absperrband, das sie am ersten Tag zur Eröffnung durchgeschnitten hatten, wieder zusammen. „Das ist eine der Traditionen, die wir sonst immer in der Eröffnungs- und Abschlussshow auf dem Open Flair machen“, erklärte Felix Römer. „Wir hoffen, dass dies das erste und einzige Mal Inselflair war, und dass wir im nächsten Sommer wieder mit 20.000 Menschen auf diesem Platz gemeinsam feiern können“, fügte Alexander Feiertag an. 

Anschließend bedankte er sich bei allen Mitstreitern, darunter den ehrenamtlichen Helfern, die seit Anfang der Woche mit viel Liebe alles aufgebaut hatten. „Man hat sich hier so viel Mühe gegeben, es auch optisch schön zu machen – es war einfach ein rundum gelungener Abend“, fügte Lilli Maurer an.

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