Instrumentalunterricht am Bildschirm _ Musikschullehrer haben in der Corona-Pandemie umgeplant 

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Von Angesicht zu Angesicht: Fred Kerkmann unterrichtet einen Schüler via Skype im Gitarrespiel. 

Wegen des Kontaktverbotes haben die Musiklehrer der Musikschulen flexibel reagiert und geben ihren Unterricht jetzt live via Internet. 

Eschwege/Göttingen.  Not macht erfinderisch. Weil auch die Musikschule Werra-Meißner geschlossen ist, bieten alle 32 Lehrer virtuellen Instrumentalunterricht für ihre Schüler an. Und viele Schüler nutzen das Angebot. „Schwierig ist es bei sehr jungen Kindern oder wo die technischen Voraussetzungen wegen mangelnder Bandbreite nicht da sind“, sagt Ulrich Bernhardt, Leiter der Musikschule des Kreises.

Einer der Lehrer, der aktuell 40 Schüler von Bildschirm zu Bildschirm unterrichtet, ist Fred Kerkmann aus Göttingen, der normalerweise auch in Eschwege unterrichtet, jetzt aber in seiner Wohnung kleine und große Musiker an klassischer und E-Gitarre, Mandoline, Banjo, Ukulele und E-Bass unterweist.

Technisch funktioniern  verschiedene Plattformen: Skype, Facetime, Doozzoo oder auch Whatsapp

„Nach einer ersten Schockstarre habe ich am zweiten Tag nach der Schulschließung mit dem virtuellen Unterricht begonnen“, erzählt Kerkmann. Technisch bedient er sich verschiedener Plattformen wie Skype, Facetime oder Whats-App. Als ideal habe sich die Plattform Doozzoo herausgestellt, die eigens für Musikunterricht entwickelt wurde. Dort gibt es einen virtuellen Raum, in dem sich Lehrer und ein oder mehrere Schüler treffen können, außerdem Hilfsmittel wie Metronome und Stimmgeräte.

Noten und Stimmgeräte im virtuellen Klassenraum 

„Das ist wichtig, weil beispielsweise nicht alle Schüler ihre Instrumente selber stimmen können“, sagt Kerkmann. Auch Noten als PDF und MP-3-Dateien können in den virtuellen Musikraum hochgeladen werden und von den Schülern entweder während des Unterrichts genutzt werden, aber auch zum Üben heruntergeladen werden.

"Für Jüngere ist das das virtuelle Zeltlager" 

Natürlich mache die Unterrichtsform einen Unterschied. „Aber es funktioniert überraschend gut“, sagt der Musiker. „Ich achte darauf, dass beide Bildschirme so ausgerichtet sind, dass die Hände von Lehrer und Schüler gut zu sehen sind und ich Griff und Handhaltung korrigieren kann.“ Viele Eltern seien anfangs skeptisch gewesen, aber die Schüler, vor allem die Jüngeren, fänden es toll. „Für die ist das so ein virtuelles Zeltlager.“

Problem ist die Zeitverzögerung bei der Tonübertragung

Technisch problematisch sei allerdings die sogenannte Latenz, also eine Zeitverzögerung der Töne bei der Übertragung. „Gemeinsam synchron zu spielen ist sehr schwierig.“ Das empfindet auch sein Schüler, der 54-jährige Bernd Schieseck, der bei Kerkmann sonst in der Musikschule in Eschwege seinen Mandolinenunterricht nimmt, so.

„Wir begleiten uns oft beim Spielen. Durch die Verzögerung wird das Stück dann mit jedem Takt langsamer.“ Aber es sei eine tolle Sache, auf diesem Weg an der Musik dranbleiben zu können, sagt Schieseck.

Angebot soll bis Sommer halten

Kerkmann geht davon aus, dass er bis zum Sommer so weiter unterrichten wird, „Da lassen sich noch viele Lernangebote optimieren.“

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