Fachwerk-Triennale: Eschwege beteiligt sich mit Integrations-Projekt

Am Ausbildungszentrum Bauwirtschaft gibt es die Lerneinheit Fachwerk für Deutsche und Flüchtlinge. Damit beteiligt sich die Stadt Eschwege an der nächsten Fachwerk-Triennale.

Die Kreissäge läuft auf Hochtouren. Im Ausbildungszentrum für Bauwirtschaft (ABZ) wird gemessen, angezeichnet und aufgebaut. Aus den Zuschnitten fertigen die 25 Auszubildenden erstmals in ihrem Berufsleben schulterhohe Schalungen. Diese 25 jungen Menschen sind die Protagonisten des Eschweger Beitrags für die Fachwerk-Triennale 2019 der Fachwerkstadt Eschwege.

Das ist die Fachwerk-Triennale

Die in der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte zusammengeschlossenen Städte sehen sich mit den Folgen des demografischen Wandels konfrontiert. Wohnungsleerstand, Einbußen im Handel, Bevölkerungsverluste und nachlassendes privates Engagement geben Anlass zur Sorge. Die historisch gewachsenen kleinteiligen Stadt- und Gebäudestrukturen sowie Eigentumsverhältnisse, behördliche Auflagen und technische wie energetische Anforderungen schränken die Flexibilität beim Stadtumbau ein. Maßnahmen der Stadtsanierung zur Aufwertung der öffentlichen Räume reichen zur Steigerung der Attraktivität nicht mehr aus. Integrative, architektonische, städtebauliche, wirtschaftliche und soziale Ansätze zur Stadtentwicklung sind zum Erhalt und zur wirtschaftlichen Revitalisierung von Fachwerkstädten von Bedeutung. Die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte präsentiert deshalb etwa im Turnus von drei Jahren die Fachwerk-Triennale mit Strategien, Konzepten und Projekten zum Umbau von Fachwerkstädten. „Die Ergebnisse aus allen neun Teilnehmerstädten tragen zur Stärkung und Imagebildung des Handwerks bei. Außerdem liegt ein Schwerpunkt auf der Integration und Qualifikation von Migranten“, sagte Maren Sommer-Frohms, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte.

Der Eschweger Beitrag

Eschwege nimmt bereits zum vierten Mal an einer Fachwerk-Triennale teil. Eine Triennale-Abordnung, zu der auch Dr. Uwe Ferber, Projektbüro Stadt-Land aus Leipzig sowie Engelbert Thielemann, ehemaliger Fachbereichsleiter Planen und Bauen in Eschwege gehören, sprach vor Ort mit fünf deutschen Auszubildenden im Zimmererhandwerk und zwei afghanischen Auszubildenden, die eine Ausbildungsstelle als Maurer und Straßenbauer gefunden haben. Ihr Einstieg in die Ausbildung gelang über eine Einstiegsqualifizierung (EQ) am ABZ. Dort hätten sie auch erste Kontakte geknüpft, Mut, Vertrauen für das neue Leben und eine neue Heimat gefunden, berichtete Schilling.

Fachwerk und Qualifizierung

Ausbildungsleiter Heiko Schilling stellte jetzt in den Räumen und Werkhallen des ABZ eine dafür konzipierte Lerneinheit „Fachwerk und Qualifizierung“ vor. Sie geht vom Rohstoff Holz bis zur Oberflächenbehandlung mit ökologischen Materialien, wobei die Schwerpunkte bei Fachwerkkonstruktion, Holzverbindungen, Entwurf, Abbund und Verzimmern eines Fachwerkgebäudes liegen.

„Wir plädieren für die dezentrale Ausbildung, weil wir auch in diesem Jahr nicht so viele Auszubildende hätten, wenn wir hier in Eschwege keine überbetriebliche Ausbildung anbieten könnten“, so Schilling. „Es gibt eine klare Perspektive für Jugendliche, die sich hier einbringen, damit längerfristig beruflich in einer Qualifikation befinden und hoffentlich hier auch heimisch werden“, sagt Dr. Ferber.

Das Projekt am ABZ ist der vierte Triennale-Beitrag aus der Fachwerkstadt Eschwege. „Handwerk und Fachwerk prägen das Bild und die Identität dieser Region, die für Geflüchtete ihre neue Heimat werden könnte“, sagte der Bürgermeister Alexander Heppe. Die Ausbildungsstätte als ein Projekt in die Triennale 2019 aufzunehmen, hält er für äußerst wichtig. Umso besser, dass das Projekt dem Lehrgang 2019/2020 das Fachwerk noch exklusiver vermitteln will, als das bisher innerhalb der Ausbildung der Fall war. „Wir sind froh, dass wir das ABZ für das Bauhandwerk in dieser Qualität am Standort Eschwege haben.“

Schilling stellt das Besondere des ABZ heraus: die Trägerschaft durch die Bau-Innung Werra-Meißner. Mit etwa 35 Betrieben aus dem Bauhauptgewerbe der Region sei sie für die Finanzierung der überbetrieblichen Ausbildung zuständig.

Herausforderungen

In Eschwege und dem gesamten Landkreis müssen sich Schulen und Ausbildungszentren den immer neuen Herausforderungen durch Zuwanderung stellen. Sie wollen die Chancen nutzen, haben dafür viele Hürden aus dem Weg geräumt. Was immer da bleiben wird, sind die Hindernisse durch mangelnde Deutschkenntnisse. Klar ist: Nur wer die Sprache versteht, kann eine Ausbildung erfolgreich abschließen. Das ABZ biete speziell für das Bauhandwerk einjährige Ausbildungskurse für Migranten an, um sie für den Einstieg in die Ausbildung zu qualifizieren, so Schilling.

Die Ergebnisse aller Teilnehmerstädte werden auf einer Abschlussveranstaltung am 25. November in der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin präsentiert.

Von Diana Wetzestein

Rubriklistenbild: © Constanze Wüstefeld

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