E-Werk: Mit Intellekt und Sörenius zum Sieg

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Dicke Umarmung für den Gewinner: Indiana Jonas (Dritter von links) gewinnt das Slam Finale und wird vom zweitplatzierten Malte kräftig gedrückt.

Eschwege. Ein Plädoyer für Freunde, ein Text über Helden, die es gerne werden wollten und ein Vortrag über den Intellekt, der seinesgleichen sucht. Das sind nur ein paar Beispiele, die es gestern Abend im vollbesetzten Saal im E-Werk zu hören gab.

Kurz vor Beginn verteilte Moderator Felix Römer Zettel im Publikum, das die Jury spielen durfte. Gemeinsam mit Dominique Macri eröffnete er das Open Flair Slam Finale im E-Werk. Sechs Finalisten hatten sich an den Tagen zuvor bei den Halbfinals qualifiziert und zeigten, dass sie am Samstagabend zu recht auf der Bühne stehen durften.

Den Anfang machte Volker aus Berlin, der sich bis ins kleinste Detail über Punkte in Werbeanzeigen, über Werbefuzzis generell und überflüssige Anglizismen aufregte. Punkte in Werbeanzeigen hielt er schlicht für überflüssig: „Wo die Gedanken nicht mehr dicht sind, hilft auch kein Punkt mehr, um sie zu schließen“ war sein Abschlusscredo. Für seinen Vortrag erhielt er vom Publikum 54 Punkte. Doch da war noch Luft nach oben. Julius Fischer entschuldigte sich bereits vor seinem Auftritt, dass sein Text Französisch enthalte. „On peut dire que je suis blonde“ - „Man kann sagen, dass ich blond bin“ lautete ein kleines Auszug aus seinem Gedicht, das er bei einem Vortrag in Paris erzählen durfte. Danach wurde er allerdings gefragt, in welcher Sprache er es vorgetragen habe.

Malte schrieb ein Plädoyer an seine Freunde - bis auf einen. Seine Freunde kamen nicht ganz so gut weg, doch schlimmer traf es den, der nicht dazu gehört. Maltes Auffassungen klangen nicht nur wie mitten aus dem Leben; so wie er sie beschrieb, passieren sie garantiert in jeder Stadt. Etwas leisere Töne schlug Renato aus der Schweiz an. Es wurde ruhig im Saal, als er über Helden, die es gerne werden wollten, sprach. Leonie aus Leipzig hingegen machte sich ordentlich Luft. „Der Sinn des Lebens ist ein Bastard“ hieß der Titel ihres Vortrags, in dem sie sich fragte, wie sie nüchtern die Menschen ertragen soll. „Schlafen heißt nicht suchen, suchen heißt nicht finden“ war nur einer ihrer Gedanken.

Indiana Jonas aus Landau provozierte mit seinem Text über den Intellekt. Er mimte einen überaus hochintellektuellen Mann, der pfeiferauchend auf der Schreibmaschine eine weitere Doktorarbeit schrieb und trotz seiner hohen Schläue - das Wort gibt es wirklich, er habe es nämlich erfunden, auch „diese Vampirromane“ geschrieben habe. Doch da hätte er schlimmen Durchfall gehabt. Das Publikum jubelte und belohnte ihn mit vollen 70 Punkten.

Ins Finale schafften es dann Malte und Indiana Jonas, die noch einmal mit ihren Texten glänzen durften. „Eine Liebe ist wie ein neues Leben, schalalala“ hieß der Vortrag von Malte und Indiana Jonas erzählte die Geschichte von Sörenius, der sich durch das harte Mittelalter schlug und sich am Scheiterhaufen einer Hexe wärmte. Während seines Vortrags konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Das Publikum jubelte und klatschte für beide überaus stürmisch. Die Entscheidung fiel auf Indiana Jonas, der so wie die anderen, mit seinen Texten sicher noch lange in den Köpfen der Besucher bleibt.

Von Franziska Kiele

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