Einer muss den Job ja machen

INTERVIEW: Hahn Hubert hat seine Pflicht bereits erfüllt und schaut gelassen auf die Ostertage

Zu Ostern hat die Eierindustrie alle Hände voll zu tun: Großunternehmer Hubert Hahn prüft jedes seiner Ostereier ganz genau und stempelt eine Null oder eine Eins für Bio- oder Freilandhhaltung auf die Schale.
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Zu Ostern hat die Eierindustrie alle Hände voll zu tun: Großunternehmer Hubert Hahn prüft jedes seiner Ostereier ganz genau und stempelt eine Null oder eine Eins für Bio- oder Freilandhhaltung auf die Schale.

Zur Osterzeit läuft die Eierproduktion auf Hochtouren, da kommen die Legebetriebe ganz schön ins Schwitzen. Großunternehmer Hubert Hahn ist ein zäher Bursche. Im Interview berichtet er vom Geschäft.

Eschwege - Der Gockel gibt im Interview Einblicke in die Zusammenarbeit mit dem Osterhasen und verrät seinen Plan B – falls es mit dem Eiergeschäft einmal den Bach hinunter geht.

Herr Hahn, wie geht es Ihnen?

Das ist vielleicht eine Frage. Wir haben nur noch einen Tage bis Ostern und wir alle auf dem Bauernhof reißen uns jeden Tag den A...h für die Kunden auf und Sie fragen, wie es uns geht.

Müssen Sie denn Federn lassen, um bei der Eiernachfrage, trotz Pandemie, hinterherzukommen?

Das ist relativ. Für uns ist eigentlich jeden Tag Ostern. Da kein Mensch in Deutschland frühstücken kann, ohne sich statistisch gesehen mindestens ein bis zwei Eier pro Nase durch den Mixer zu jagen oder mit Schinken zu bestreuen, wird es bei uns einfach nie langweilig. Ostern kommt dann nur noch verschärfend hinzu.

Herr Hahn, was kommt denn bei Ihnen Ostern auf den Tisch?

Lamm.

Was sagen denn Ihre Mitarbeiterinnen? Sind die nicht chronisch überfordert?

Hühner werden nicht mit Geld bezahlt, sondern in Körnern, Kraftfutter und Kalk. Sie kriegen ein Extra an Kalk, damit die Schalen nicht auch noch so dünnhäutig werden wie meine geschätzten Mitarbeiterinnen. Meine Mitarbeiterinnen sind aber trotzdem am Ende ihrer Kraft. Und wenn ich nicht auf sie aufpasse und immer mal ein Extra drauflege, dann lassen die echt Federn – vor Vitaminmangel.

Hatten Sie bisher Coronafälle in Ihrem Betrieb?

Wir sind bisher ohne Coronafälle geblieben, weil ja Hühner bekanntlich sehr kleine Nasenlöcher haben und da niest hier auch keiner. Außerdem inhalieren wir äußert wenig, denn hätten wir größere Nasenlöcher, hätten wir hier ruckzuck eine Staublunge.

Also gibt es keine Maskenpflicht im Stall?

Wie wollen Sie denn eine Maske über einen Schnabel ziehen und weiterhin nach Futter picken?

Wie steht es mit der wirtschaftlichen Konkurrenz zu Ostern, macht die Ihnen denn zu schaffen?

Wir haben keine Konkurrenz. Ich bin in puncto Hahn so das Größte, was es gibt. Alles, was bei uns produziert wird, findet auch einen Abnehmer. Die guten Eier kommen auf den Frühstückstisch und der Ausschuss wird als Knickeier an Bäckereien geliefert. Außerdem verweise ich darauf, dass in Deutschland pro Jahr immer noch Milliarden Eier importiert werden müssen, nur damit jeder zum Frühstück ein komplettes Rührei hat. Und die kleinen Wachteleier aus Asien machen uns keine Konkurrenz. Wir haben es ja jetzt gesehen. Aus China und Japan kamen keine Eier nach, die sind vermutlich alle im Suezkanal vermodert.

Fehlen Ihnen in diesem Jahr die Legehelferinnen aus dem Ausland, die wegen Corona nicht einreisen dürfen?

Nein. Die sind ausgeflogen und packen jetzt Pakete bei Amazon – die haben das Kleingedruckte im Arbeitsvertrag nicht gelesen.

Wer bemalt eigentlich die Ostereier? Übernehmen Sie das selbst oder macht der Osterhase auch mal etwas?

Der Osterhase, der feine Pinkel, der hat uns nur als Subunternehmer. Oder haben Sie schon einmal einen Hasen gesehen, der alle Eier selbst legen kann. Bei der Farbe ist es so: Wir haben eine Lackierstraße. Allerdings ist das Stempeln der Eier, aller Eier, mein Job. Den lasse ich mir auch nicht wegnehmen. Kein Ei mit drei – das ist Käfighaltung –, das ist eine Verpflichtung für mich.

Herr Hahn, wie sieht es denn für Ihre Zukunft aus? Denken Sie schon an eine mögliche Pensionierung?

Na ja, als Hahn hat man es relativ gut. Man ist ein zäher Bursche. Findet ganz selten den Weg in die Suppe, da geht es meinen Kolleginnen schon schlechter. Aber wenn ich mich mal niederlasse, dann bestimmt nicht in den USA. Ein Land, das die Kette „Kentucky Fried Chicken“ erfunden hat, gehört abgeschafft. Ich hatte aber auch schon mal überlegt, wenn das hier auf dem Bauernhof nicht klappt, mir die Füße und den Schnabel breit operieren zu lassen und als Teichente in den öffentlichen Dienst zu gehen.

Und wie ist Ihr Fazit für kommenden Osterfeiertag?

Ich sage immer: Vor dem Ei ist nach dem Ei.

Von Kim Hornickel

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