Osterbotschaft über andere Kanäle verbreiten

Interview: Kirchenkreis-Dekanin Ulrike Laakmann über Ostern in der Corona-Krise

Dekanin Ulrike Laakmann (rechts) macht im Oster-Interview auf eine besondere Andacht, gestaltet von Pröbstin Katrin Wienold-Hocke (links), aufmerksam. 
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Dekanin Ulrike Laakmann (rechts) macht im Oster-Interview auf eine besondere Andacht, gestaltet von Pröbstin Katrin Wienold-Hocke (links), aufmerksam. 

Ulrike Laakmann, Dekanin des Kirchenkreises Werra-Meißner, spricht im Interview mit unserer Zeitung über die Bedeutung von Ostern und neue Wege, auf denen der Heilige Geist weht.

Welche Bedeutung hat das Osterfest für Christen im Allgemeinen?

Ulrike Laakmann: In der Karwoche geht es darum, alles Schwere mit der Hoffnung, die wir haben, auszuhalten. An Ostern feiern wir als Christen über die Zeit von Karfreitag bis zum Ostermorgen - dem Morgen der Auferstehung - den Sieg des Lebens, der Liebe und der Hoffnung, die über den Tod hinaus reichen. Es ist ein Weg, auf dem man das Besondere und Einmalige unseres Glaubens nachempfinden kann.

Der Tod wird dabei eben nicht ausgeklammert, sondern mit allem Schmerz und Leid, den er bringt - eine Krankheit, eine Pandemie etwa, die man nur schwer begreifen kann - wahrgenommen. Aber der Sieg des Lebens und der Liebe wird dagegengestellt. Das kann man im Gebet und Singen und gemeinsamen Feiern erleben.

Sie sagen, das gemeinsame Erleben ist wichtig …

Ulrike Laakmann: Es ist für mich sogar eines der wichtigsten Erlebnisse im Jahr: Dass man in der Osternacht im tiefsten Dunkel, welches stellvertretend für das Dunkel des menschlichen Leides steht, zusammenkommt, und dann die erste Osterkerze hineingetragen wird und sich daran viele kleine Kerzen entzünden und schließlich eine große Gemeinschaft zu spüren ist.

Aber in der Krise ist alles anders. Wie findet Ostern statt, wenn Gottesdienste nicht gemeinsam gefeiert werden können?

Ulrike Laakmann: An Ostern sind die Gottesdienste immer besonders gut besucht gewesen, gerade die Osternacht. Dass wir diese in diesem Jahr nicht feiern dürfen, ist herausfordernd. Aber es ist ein Ausdruck der Nächstenliebe, dass wir es in diesem Jahr nicht tun, um Rücksicht zu nehmen und andere zu schützen.

Stattdessen sind die Gemeinden kreativ unterwegs, um die Botschaft dennoch erlebbar zu machen. Es werden alle Kommunikationskanäle genutzt, etwa über die sozialen Netzwerke, über das Radio und per Video-Aufzeichnung. Auch ganz klassisch per Brief aus dem Pfarramt oder als Ansprache, die man auf dem Anrufbeantworter anhören kann.

Welche Angebote gibt es an Ostern speziell im Kirchenkreis Werra-Meißner?

Ulrike Laakmann: Auf unserem Video-Kanal, der als link über die Homepage des Kirchenkreises Werra-Meißner zu erreichen ist (kirchenkreis-werra-meissner.de), kann man eine besondere Oster-Andacht abrufen, die von Pröpstin Katrin Wienold-Hocke gestaltet wird. Am Ostersonntag senden wir zwischen 9 und 10 Uhr zudem im Radio auf Rundfunk-Meißner. Aber auch die Landeskirche hat zahlreiche Online-Angebote, die über die EKKW-Homepage (ekkw.de) zu erreichen sind. 

Der Osterchoral „Christ ist erstanden“ soll am Ostersonntag um 10 Uhr aus Fenstern und von Balkonen erschallen, gesungen oder auf der Posaune oder Trompete geblasen. Dabei können alle mitmachen, ohne sich zu versammeln. Außerdem beteiligen sich alle Gemeinden am gemeinsamen Läuten um 12 Uhr mittags.

Einige Online-Angebote gibt es bereits. Wie werden diese angenommen?

Ulrike Laakmann: Anfangs war ich überrascht und sehr dankbar, wie viele Ideen aus unseren Gemeinden kamen. Auf dem Kirchenkreis-Kanal sind nun schon einige Andachten zu sehen, die wechselseitig in den Kooperationsräumen unseres Kirchenkreises entstehen. 

Die Videos sind bisher jeweils 600 bis 900 Mal aufgerufen worden. Ich denke, das zeigt, dass diese Andachten nicht nur von den Mitgliedern der Gemeinden selbst, sondern auch darüber hinaus wahrgenommen werden.

Was bedeutet den Menschen der Beistand durch die Kirche in der Krise?

Ulrike Laakmann: Es gibt viele Ängste und Sorgen. Deshalb brauchen die Menschen Zuspruch und die Vergewisserung von Gottes Beistand, dass es jemanden gibt, der sie trägt und hält. Wir glauben, dass die Corona-Krise mit ihren Maßnahmen der Distanzierung uns nicht von der Liebe Gottes abschneiden kann. 

Und darum können wir zeigen, in Kooperation mit anderen Partnern, dass das kirchliche Sorgennetz für die Menschen da ist. So zum Beispiel die Aktion „Dich schickt der Himmel“, die die Kirche mitorganisiert, oder „Wir gegen Corona“, an der sich Kirchengemeinden beteiligen.

Man hat das Gefühl, so kreativ wie jetzt war die Kirche noch nie im Erfinden von neuen Formaten. Welche Ideen könnten nach der Krise weiter genutzt werden?

Ulrike Laakmann: Ich freue mich sehr auf den Tag, an dem wir uns wieder versammeln können! Aber wir machen jetzt auch erstaunlich gute Erfahrungen mit ganz anderen Ideen oder den Online-Formaten. Wir lernen, dass es auch neue Wege gibt, auf denen der Heilige Geist weht. Er scheint nicht technologiefeindlich zu sein.

Die wichtige Kreissynode abzusagen, ist mir sehr schwergefallen. Aber auch in der Gremienarbeit lernen wir gerade, wie wir Besprechungen per Video-Konferenzen abhalten können. Das spart auch viele Fahrkilometer. Dies können wir sicher weiter nutzen, auch im Sinne der Bewahrung der Schöpfung.

Von Kristin Weber

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