Zur Debatte um die Versorgung von Ausländern

Interview mit Eckhard Göller von der Eschweger Tafel: "Wir helfen allen Bedürftigen"

+
Helfen, wo sie nur können: die Ehrenamtlichen von der Eschweger Tafel.

Eschwege. Die Essener Tafel nimmt seit Anfang Januar vorübergehend nur noch Deutsche auf. Begründet wird das mit einem zu hohen Anteil an Ausländern. Doch was hält die Eschweger Tafel von diesem Vorgehen?

In die Diskussion um das Vorgehen der Tafel darum hat sich jetzt auch Kanzlerin Angela Merkel eingeschaltet. Wir sprachen mit dem zweiten Vorsitzenden der Eschweger Tafel, Eckhard Göller, über die Situation in Eschwege.

Herr Göller, wie hoch ist der Anteil der Deutschen und der der Ausländer unter den Kunden Ihrer Tafel?

Eckhard Göller: Wir haben derzeit ein Verhältnis von 50 zu 50 Prozent. Das Gros der Ausländer kommt aus der ehemaligen Sowjetunion, und auch Flüchtlinge sind dabei. Von zwei Jahren lag das noch bei 70 zu 30, wobei die Deutschen den größeren Anteil ausmachten; im vergangenen Jahr gab es ein Verhältnis von 60 zu 40. Die Zahl der Deutschen nimmt im Verhältnis also ab. Das ist aber nicht die einzige Veränderung: Wir beobachten, dass wir immer mehr Kinder haben.

Hat sich durch das veränderte Verhältnis bei der Stimmung unter den Kunden etwas geändert?

Göller: Aus persönlicher Erfahrung nicht. Vom Hörensagen bekomme ich aber mit, dass die Deutschen schon sagen, dass es ja nur noch Ausländer in der Schlange gebe und dass diese drängeln und schubsen würden. Auch von denjenigen, die die Lebensmittelausgabe machen, wird mir das immer mal wieder mitgeteilt. Wenn diejenigen, die sich nicht ganz korrekt verhalten, aber darauf angesprochen werden, verhalten sie sich anschließend auch so wie alle anderen. Solch einen Ärger wie den, den es offenbar in Essen gibt, kennen wir hier also nicht.

Apropos Essen: Können Sie die dortige Entscheidung nachvollziehen und es hier genauso handhaben?

Göller: Wir würden damit gegen unsere Satzung verstoßen. In der steht nichts davon, dass wir nur Deutsche versorgen, sondern denjenigen helfen, die bedürftig sind. Zugegebenermaßen haben wir hier ein solches Problem, wie es in Essen offenbar vorherrscht, nicht. Dass es dort rabiat zugeht und der Umgangston rauer ist, glaube ich persönlich schon. Natürlich sehen auch wir die Schwierigkeiten durch zum Beispiel Verständigungsprobleme, es behindert uns aber nicht in unserer Arbeit.

Bedürftige Ausländer werden also auch weiterhin Lebensmittel bekommen?

Göller: Ja. Wir akzeptieren die Abholer, die uns vom Jobcenter oder Sozialamt vermittelt werden, oder diejenigen, die mit ihrem Rentenbescheid kommen. Eine Einkommens-Obergrenze haben wir dabei nicht festgelegt, weil wir finden, dass sich nicht über eine Formel errechnen lässt, wer etwas bekommen darf oder nicht; es ist eine Einzelfallentscheidung.

Wie viele Menschen bekommen derzeit Lebensmittel von der Eschweger Tafel?

Göller: Um die 480. Mehr schaffen wir derzeit nicht; wer jetzt kommt, wird auf die Warteliste gestellt. Die ersten 15 Plätze sind da gerade belegt. Dass wir momentan mit den 480 ein Limit erreicht haben, hat mehrere Gründe: Zum einen sind wir natürlich auf die Lebensmittel angewiesen, die uns zur Verfügung gestellt werden. Dann wollen wir natürlich so viel wie möglich ausgeben und nicht nur Mehl und eine Orange.

Zum anderen sind natürlich auch die Räumlichkeiten und die Anzahl der Mitarbeiter wichtige Faktoren. Um die 25 Menschen sind derzeit aktiv und geben an drei Tagen in der Woche die Lebensmittel aus, die sie an sechs Tagen in der Woche einsammeln. Wichtig ist, dass wir als Tafel nicht für die Grundversorgung der Menschen verantwortlich sind, sondern eine Nahrungsmittelergänzung bieten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.